Dreiland StromReport - 100 Jahre Strom Itingen - (20.01.2004 ) Pressebüro © Marc Gusewski Postfach 139 Dorfgasse 10 4435 Niederdorf / BL Switzerland Tel./Fax +41 / 0 619 618 329 Anregungen? Ideen? Kritik? Kontakt per: Email
|
Zum Rubrikenverzeichnis auf der Startseite weiter |
![]() |
|
Itingen 100 Jahre unter Strom
24.8.01 Mit einer Reihe von Festivitäten feiert die Elektra Itingen
ihr 100-jähriges Bestehen. Der Auftakt war am Samstag. Praktisch als Selbsthilfeorganisation der örtlichen Posamenter wurde
vor 100 Jahren die Elektra gegründet. Mit elektrischem Licht und
mechanisierten Webstühlen hofften sie, wettbewerbsfähiger und
preisgünstiger zu werden. Doch der elektrische Strom vermochte den
Trend wider das Bändel nicht umzukehren. Heute ist dagegen die
Elektrizitätsenergie Allgemeingut. Daran erinnerte der Elektra-Vorstand
mit einem Dorffest und einem Festakt Mitte September sowie einem
Erinnerungsbüchlein zum 100-jährigem. „Wir wollten für unser Dorf etwas leisten", sagte Präsident
Heinrich Uebelhart bei der Vorstellung der Festivitäten. Seine
Ortselektra lebe von einer ausserordentlichen Kundennähe. Nun wollte
man sich gegenüber der Dorfgemeinschaft einmal zeigen. So hat die
Elektra in den vergangen drei Jahrzehnten einen ausserordentlichen Boom
verzeichnet: seit 1970 hat sich der Verbrauch praktisch verneunfacht
(auf 18 Millionen Kilowattstunden). Dies geht vorab auf das Konto der
rund 1200 Arbeitsplätze, die im Ort entstanden. So genügten die
Finanzmittel für ein sicheres Stromnetz (zwei-seitige Einspeisung
für unterbruchslose Versorgung, Verkabelung). Der letzte Total-Blackout
liegt fast 30 Jahre zurück... „Unsere Kundennähe wird im liberalisierten Strommarkt fortbestehen
– und wir werden übeleben", gibt sich Elektra-Vize Markus
Uehlinger überzeugt. Mit Christine Lurz und Heinz Jaggi (als quasi,
seit eh und je ‚outgesourcter’ Installationsabteilung) hofft das
Elektra-Team, weiterhin eine Rolle in der Stromversorgung des Orts
zu spielen. Dabei rechnet man auf die Unterstützung der
Stromlieferantin, der Elektra Baselland (EBL). Als bleibende Erinnerung an das Jubiläumsfest legten die
Dorfstromverteiler ein Erinnerungsbändchen vor, das die
Elektrifizierung beleuchtet. Heidi Christen (Logo- und
Titelblattgestaltung) und Autor, alt Gemeindeverwalter Martin Nebiker
und (erheblich auch) Frau Rosmarie präsentieren einen bunten Reigen,
von der Gründungsurkunde bis zur Solarenergie. Elektrizitätsgeschichtlich hervorzuheben ist die Episode der
Sägerei, die 1944 von Wasserrad auf Turbine bzw. Elektrisch umstellte.
Die „Überschüssenergie" ging ins Dorf – zuweilen bis zu 20
Prozent. Dabei ging es auch immer wieder kontrovers um den sogenannten
Rückliefertarif. In den 50ern einigte man sich auf 90 Prozent des
Kilowattstundenpreises. Beim Bau der Talstrasse wurde die Säge
abgerissen und der wasserführende „Dyg" für immer
zugeschüttet. Alt Gemeinderat Reto Lareida erzählt in einem Kapitel
über dezentrale Energieversorgung mit Solarenergie – er ersetzt
individuell den gewöhnlich, durchschnittlichen Schweizer
Atomstromanteil von 40 Prozent damit. „100 Jahre Elektra Itingen", Bezug (Fr. 10.-): Elektra Itingen, 4452
Itingen, Telefax 061 971 69 20 |
100 Jahre Elektra Itingen: Posamenter-Massaker und Megawatt-TriumphFrüh – als ländliche Region – wurde das Baselbiet elektrifiziert. Obwohl die gesetzten Hoffnungen komplett verfehlt wurden – den Posamenter-Abschwung in einen Aufschwung umzuwandeln -, setzte sie sich durch. So seit 100 Jahren in Böckten, Itingen, Rünenberg und Zunzgen. Ende letztes Jahrhundert – also zur Ururgrosseltern-Generation-Zeit - gerieten Seidenbändel aus der Mode und die Baselbieter Bändelhersteller in Not. Wenn man nur billiger, schneller, überzeugender produzieren könnte, zeigte sich der Posamenter-Konsens gewiss, liesse sich weiterhin davon leben. Da erschien der brandneue Bändelstuhl, betrieben von der „Fee Elektrizität“, wie gerufen. Der Elektro-Bändelstuhl erhöhte die Produktion massiv – war aber teuer. Wo früher Schweiss floss, war es neu der gekaufte, abhängigmachende Stromkreis sowie seine Installation. Es verschuldete sich zwangsläufig, wer sich darauf einliess. Dafür musste mehr und härter gearbeitet werden - zum Schein der gleichfalls teuer installierten elektrischen Glühbirne. Es half nichts... Weder Maschinisierung noch noch mehr Nachtarbeit hielten den Niedergang auf. Viele wurden durch die teure Ausrüstung erst recht ruiniert. Im Bereich Posamenterei hat die Innovation „Elektrotechnik“ ein soziales Massaker eher beschleunigt als gebremst. Dennoch geriet sie zur Schlüsselenergie der Gegenwart – anders als erwartet (elektronische Datenverarbeitung, Bio-Informatik – ohne PC ist Gentechnik undenkbar – als Antriebs- und Komfortenergie). 100 Jahre Elektrifizierung – wie sie Itingen als eine von fünf verbleibenden Dorfgenossenschaften feiert – ist die Story der Technik. Gerade die Posamenter sorgten dafür, dass das Baselbiet als ländliche Region relativ früh ans Netz ging. In den Weltstädten – New York, Petersburg, Paris, Berlin, etc. – leuchteten da zwar bereits seit ca. 30 Jahren die Elektrolampen. Ratternde, elektrische Hoch- und Untergrundbahnen ermöglichten den Bau dieser Millionen-Städte. Am kantonalen Gesangsfest in Gelterkinden 1882 war den Beteiligten das 1850 eingeführte Petroleumlicht zu blass - sie setzten auf Strom. Er wurde erstmals aktenkundig. Aber wahrscheinlich gab es schon vorher Anwendungen, über die wir bisher nichts wissen. So entwickelte und experimentierte der Basler Emil Bürgin, der in Münchenstein die frühe Pionierfirma Bürgin & Alioth mitgründete, in den 1870er Jahren mit der neuen Kraft. Er fand in Basel allerdings ein hartes Pflaster vor – und exilierte nach England und Amerika. Früher war sein Name gleichwohltönend wie AEG, Siemens, Helios, Schuckert – heute (fast alle) vom Elektro-Sturm verweht... Nach dem Gründerkrach (die erste globale Börsen-Euphorie war brutal geplatzt), dachten viele eher gemeinwohl-orientiert. So die Baselbieter Genossenschaftsbewegung, die letztlich ein Verbot im Kanton für privatwirtschaftliche elektrische Betriebe politisch durchsetzte. Privatwirtschaftliche Bestrebungen, z.B. in Sissach Mitte 1880er Jahre, wurden abgeblockt. So blieb alleine die Form der Genossenschaft – Gemeinden und Staat waren zu arm. Die Posamenter, einige Land- und Gastwirte taten sich jeweils zusammen und gründeten Netzgesellschaften. Die Itinger schlossen sich zuerst der „Elektra Sissach-Gelterkinden“ an, dann der „Elektra Farnsburg.“ Als diese mit der Elektra Baselland (EBL) fusionierte, blieb sie selbständig – bis heute. Weil das elektrische Licht und diese Kraft weit universeller und ungefährlicher waren und sind, als z.B. Petrollampen und Stadtgas, setzte sie sich dennoch – nach verschiedenen Krisen und politisch in den Weltkriegen stark gefördert - durch. Vom absoluten Luxusgut für Begüterte – wurde sie durch gerade die umstrittenen Grosskraftwerke – demokratisiert. Anlass zur Rückschau gibt heute Freitag der Genossenschafts-Vorstand in Itingen, der über seine Jubiläumsaktivitäten orientiert und ein eigens geschaffenes Erinnerungsbuch zu Präsentieren ankündigte. |