Dreieckland StromReport (14.07.2004 ) - Wasser Schaffen - Pressebüro © Marc Gusewski    Kontakt per: Email 

 

 Streit setzt Rest-Alpengewässer unter Strom

Die Schweiz soll mehr Elektrizität aus Wasserkraft erzeugen – und dafür ihren Gewässerschutz lockern, ein Ständerats-Traktandum sorgt für Wirbel. Naturschutz-, Fischerei- und Gewässerschutzorganisation sind schockiert. Die Alpen-Kantone brauchen Geld und die Elektrizitätswirtschaft neue Kapazitäten.

Basel/Bern. Schlicht als „absurd“ verurteilt der Basler Pro Natura-Mitarbeiter Beat Jans die Idee, den Gewässerschutz zu „flexibilisieren.“ Es gehe darum, den „letzten Tropfen aus den Flüssen und Seen für die Stromproduktion“ herauszupressen. Der WWF-Gewässer- und Alpenschutzkenner Andreas Knutti sagt: „Auf unserer Seite ist klar: Der bestehende Restwasserschutz ist das nicht verhandelbare Minimum.“ Dagegen bringt der Direktor des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbandes die Position der Branche auf den Punkt: „Die bisherige Restwasser-Regelung ist zu starr, immerhin wird mit Wasserkraft Elektrizität ohne klimaschädliches Treibhausgas erzeugt.“

Ist Klimapolitik ein Ass im Strompoker?

Die weitergehende Nutzung der Gewässer in der Schweiz wurde unversehens wieder zum Top-Thema. Getäuscht sieht sich, wer nach der Annahme des Gewässerschutzartikels 1992 gemeint hatte, Schutz und Nutzung der Gewässer seien unter Dach und Fach. Unruhe stiftet seit knapp einem Jahr der Walliser CVP-Ständerat Simon Epiney. Er trug ein für die Schweizer Politszene neuartiges Argument erstmals vor: die Treibhausgas-Reduktion soll durch eine Erhöhung der Elektrizitätserzeugung aus heimischen Gewässern bewerkstelligt werden - und wäre zugleich ein Beitrag der Schweiz ans Kyoto-Protokoll.

Kyoto-konform gehen mit neuen Kraftwerken? Nach Epiney wären rund fünf Terawattstunden (TWh) Mehrproduktion, oder knapp ein Zehntel gemessen am schweizerischen Stromverbrauch, denkbar, wenn der Gewässerschutz flexibler als heute gehandhabt würde. Völlig überraschend argumentiert Epiney dabei mit dem Treibhaus-Debatte: bis zu 2,5 Millionen Tonnen klimaschädliches Treibhausgase könnten durch gering erscheinende Massnahmen in der Schweiz, nämlich die Erweiterung der Wasserkraftnutzung, „gratis“ eingespart werden – würde dadurch ein entsprechendes Quantum herkömmlicher, aber europäischer Krafterzeugung ersetzt. Sprich: ins Ausland als Strom exportiert, wo eine unverminderte Nachfrage sicher ist. Hintergrund: derzeit blüht der Stromexport. Steigende Preise garantieren der Branche Einnahmen wie noch nie und dank Monopol – das weiterhin feste Einnahmen garantiert - ist die einheimische Elektroenergie-Gewinnung, abgesehen von ein paar Ausnahmen, wirtschaftlich so billig wie noch nie, mit anhaltender Tendenz.

Ausverkauf der Gewässer für Exporte?

Hinter Epineys Ansinnen stecken aber viel mehr Gründe als nur Expansionsgelüste der Branche, dies förderte eine parlamentarische Anhörung im Herbst zu Tage. Epiney, ein streitbarer Walliser und im Parlament berüchtigter Vertreter der so scherzhaft genannten „Alpen-Opec“, der einflussreichen Allianz der Bergkantone im Bund, muss den klammen Finanzverwaltern aushelfen, ein gutes Beispiel dafür ist derzeit Glarus. Die derzeit rund 400 Millionen Franken Wasserzinsen pro Jahr, machen beträchtliche Anteile an den verschiedenen Staats- und Gemeindehaushalten aus. Was tun also, wenn Steuererhöhung unmöglich erscheinen und gleichzeitig die Steuereinnahmen sinken? Andreas Knutti vom WWF: „Dieser Aspekt spielt wahrscheinlich eine grosse Rolle.“ Walter Hauenstein vom Wasserwirtschaftsverband wiegelt ab: „Primär geht es um die umweltschonende Stromerzeugung. Aber es war schon immer klar, dass das Gewässerschutzgesetz in seiner heutigen Form nur deshalb besteht, weil alle müde waren darüber zu streiten.“ Sprich: da muss nachgebessert werden.

Hauen und Stechen im Ständerat

Was Umweltschützer und zum Schluss auch Linke besonders an Epineys Vorstoss alarmiert, ist die von ihm gewählte Form der „parlamentarischen Initiative“. Sie lässt dem Gesetzgeber wenig Spielraum – sie muss allerdings, so sind die Spielregeln, von der zuständigen Kommission der kleinen, oder grossen Kammer eingebracht werden. Dies erklärt, weshalb das "Geschäft Epiney" bisher nur hinter verschlossenen Türen für Zoff gesorgt hatte. Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates (UREK SR), heute präsidiert vom Solothurner Ständerat Rolf Büttiker, hatte eine Anhörung veranstaltet, an der unüberwindliche Gräben sichtbar wurden. Obwohl in der Kommission fast durchwegs auch mit der Elektrizitätswirtschaft verbandelte Politikerinnen und Politiker sitzen, entschied sie sich gestern nun zu einem „moderateren“ Vorgehen. Dazu liess sie vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landwirtschaft (BUWAL) einen Alternativvorschlag ausarbeiten, vor dessen Hintergrund gestern Epiney seine parlamentarische Initiative zurückzog. Über den kommissarischen Gegenvorschlag war gestern nichts mehr in Erfahrung zu bringen. Ob deshalb, wie in Naturschutzkreisen gesagt, von einem „Teilsieg über eine Absurdität“ gesprochen werden kann, bleibt derzeit aber bis auf weiteres offen.

 

Was Wasser kraft Wasserkraft schafft

Eines naturräumlichen Zufalls wegen entwickelte sich der Hochrhein zum Herz des europäischen Stromverbunds: dank der hohen Wasserkraft, die der Rhein zwischen Bodensee und Basel schafft.

25.8.03, Liestal. Die elektrische Energie für die Glockenzüge kam aus Laufenburg, als am 8. Mai 1945 in Paris die Friedensglocken läuteten. Kriegsunversehrte Schweizer Elektriker hatten informell ihren kriegsversehrten Freunden in Paris mit einer „Schaltung“ ausgeholfen. Dazu wurde die alte Verbindungslinie via „Ilê de Paris“ unter Strom gesetzt, wie ehemalige, eingeweihte Mitarbeiter des damaligen Kraftwerks Laufenburg zu berichten wissen. Der Strom vom Hochrhein spielte elektrizitätswirtschaftlich von Anfang an eine besondere Rolle. Wenn die Europäer, speziell die Schweizer ein bisschen mehr Begeisterung gezeigt hätten, wäre Rheinfelden als erstes Grosskraftwerk der Welt ans Netz gegangen. So war es aber Niagara 1895 in den USA, Rheinfelden folgte 1898. Dabei waren die Pläne für das Rheinkraftwerk schon Jahrzehnte alt. Alleine, den Zürcher und Basler Investoren war das Vorhaben viel zu Wagnisreich. Für sie war - heute schier unbegreiflich - Elektrizität eine Angelegenheit mit unbekanntem, unkalkulierbarem Ausgang sprich Rendite.

Um die Schweizer Elektroindustrie anzustossen, benötigte es einer Figur der Weltelektrifizierung: Emil Rathenau (1838-1915), dem ersten Unternehmer modernen Zuschnitts, Freund und Lizenznehmer des New Yorkers Thomas Alva Edison (1847-1931), dem Begründer des „Systems Elektrizität.“

Rathenau kannte die Hochrheingegend von Besuchen. In seinen Augen genoss sie Förderungswürdigkeit. Einer einmaligen, naturräumlichen Zufälligkeit wegen: seiner Topographie. Zwischen Bodensee und Basel entwickelt der Rhein durch das Gefälle von durchschnittlich ca. einem Meter pro Kilometer ein enormes Tempo, sprich Druck, sprich Antriebskraft – für Turbinen, oder Mühlen, wie sie schon die Römer nutzten.

Rheinfelden hatte ein weiteres Startproblem: es erzeugte mehr Strom als Kunden benötigten. Rathenau war aber auch Chemie-Manager, und gut, benötigte moderne Chemie viel, viel Strom für: Aluminium! Das eben erfundene „Silber aus Dreck“, das durch Elektrolyse –quasi „Stromschmelze“ - gewonnen wird. So siedelte der Berliner in Rheinfelden ein Alu-Werk an, neben anderen energieverschlingenden Hochtechnologien und die Nachfrage war gesichert. Das Aluwerk finanzierte die Kraftwerksanlagen mit – bis letztes Jahr, als die Betreiberin die Gleichstromgeneratoren zurückkaufte.

Heute gehört das Werk der „Energiedienst AG“ (ehemals „Kraftübertragungswerke Rheinfelden“/Kraftwerk Laufenburg), die mit ihrer Marke „Naturenergie“ die grösste Ökostromerin in Deutschland ist. Auf einen anderes deutsches Werk, RWE, geht das legendäre Stromkreuz Laufenburg zurück, das nicht nur im Zweiten Weltkrieg Teile von Europa mit Hilfslieferungen vor dem Blackout bewahrte. Die Rhein-Ruhr-Kohlefelder mit der Wasserkraft des Schwarzwaldes und der Schweiz zu verbinden war der Gedanken hinterm „Verteilungsstern“. Es war das Fundament für den europäischen Stromverbund, der durch den Beitritt der neuen Ost-mitteleuropäischen Länder nächstes Jahr gross wie nie wird. Aufbauend auf den Verbund gibt es Planungen für „transglobale Netze“, in denen riesige Strommengen an gerade benötigte Plätze geschoben werden – was neue Kraftwerke spart.

Die Entwicklung zeigt: Nach Rheinfelden 1898 entwickelte sich Strom zum Selbstläufer, entscheidend in den 1950ern Jahren. Zwischen Bodensee und Basel entstanden elf Kraftwerke, ein zwölftes wurde in den 60ern abgeblasen. Das Werk Birsfelden ist eines der modernsten, Ryburg-Schwörstadt das grösste. Insgesamt erzeugen alle zusammen pro Jahr soviel (ca. 4500 Millionen Kilowattstunden kWh) wie das Dreieckland verbraucht (Nordwestschweiz, Markgräflerland und Hotzenwald, teilweise Oberelsass), oder ein Zehntel der Schweizer Stromproduktion. Rheinfelden ist im Gegensatz zu den übrigen Werken für eine technische Überholung zu alt. So ist ein Neubau geplant, der insgesamt 450 Millionen Euro verschlingen würde. Die Finanzierung ist ungewiss, da der Strom teurer ist als z.B. aus Kohle- und durch die Stromkunden zwangsbezahlten, das heisst, heute nahezu schuldenfreien Atomkraftwerke. Ein anderes Problem ist, dass nach 200 Jahren schonungsloser Rheinausbeutung das ökologische Gleichgewicht wieder Beachtung findet: die Natur mit der Wasserkraft zu versöhnen, ist eine Aufgabe für Jahrzehnte mit heute noch unbekanntem Sponsor.

 

Klein-Wasserkraft aus natürlichem Anbau

 

Info: Wie Mühlen und Sägen zu Kraftwerken wurden weiter

29.12.01 Vor 100 Jahren kannte das Baselbiet 150 aktive Wasserkraftstandorte - heute ist’s eine Handvoll. Die Langenbrucker Stiftung „Revita“ kümmert sich um solche „Oldies“ aus ökologischen, kulturellen und gesellschaftlichen Gründen.

 

Siehe auch: 28.2.02 Wiederinbetriebnahme Cormoret

 

Langenbruck. Standorte für die früheste und kleinste Wasserkraft sind praktisch meist vergessen, seit das kontinentale Verbundnetz der 50er den Strom der Mega-Kraftwerke allseits verfügbar hält. Dagegen liefert Mini-Wasserkraft gerade mal Strom für einen oder zwei Gewerbebetriebe. Diese aber prägten die Kulturlandschaft mit. Teiche und Kanäle, die heute als natürlich angesehen werden, sind in Wirklichkeit Kunstanlagen. Da sie mehr kosten als konventionelle Energiebezüge, geschweige denn Gewinne erwirtschaften, sind die meisten um Jahrhundertmitte stillgelegt worden. Es sei denn, sie fanden einen Liebhaber - oder sie rentierten übers ganze gerechnet, trotz allem. Da uralte Kleinkraftwerke häufig mit der Natur "verwachsen" sind, lässt sich ihr Strom im künftigem "Strommarkt" als besonderer Ökostrom verkaufen, zertifiziert durch "Naturemade star. " Dennoch bleiben Ökokleinstkraftwerke eine aufopferungsvolle Sache. (Über Baselbieter Elektrifizierung hier; über Grosswasserkraft hier)

 

Um Kleinstkraftwerke zu erhalten, wurde vor zwei Jahren am Ökozentrum in Langenbruck die Stiftung „Revita“ gegründet. Monika Wohlfender und Adrian Bretscher betreuen dies gemeinnützig tätige Unternehmen. Was ist ihre „Firmenphilosophie“? „Wir wollen Natur und Technik versöhnen und gleichzeitig sinnvolle Arbeit stiften. Unsere Projekte realisierten wir mit Arbeitslosen, oder Menschen, die sich eine berufliche ‚Auszeit’ nehmen und ein paar Monate freiwillig etwas für die Umwelt tun.“ Die Stiftung finanziert sich aus privaten Zuwendungen sowie Projektaufträgen. Einem solchen Auftrag entsprang auch der Stiftungsnamen „Revita.“ Die Revitalisierung eines Krafthortes in Cormoret (BE) an der Schüss, eines von vier bisherigen Vorhaben, führte zur Idee, dies Geschäft zu systematisieren.

 

Vom Amt für Energie und Umwelt (AUE) erhielt „Revita“ kürzlich auch den Auftrag alle, auch die nur „aktenkundlichen“, Kraftwerksnutzungen im Baselbiet zu erfassen. Das eben vorliegende Ergebnis: 103, mit Laufental etwa 150 Standorte. Die Birs wurde als Fluss mit der Meistabschöpfung identifiziert - früher wie heute. Ihre Flussstrecke ist für Wasserkraftnutzungen wie geschaffen. Dann folgen Ergolz und, in unterschiedlichem Masse, deren Zuflüsse. Abgesehen von den zum Teil kürzlich mit erheblichen finanziellen Mitteln modernisierten Birswerken, existieren zum Beispiel in Reigoldswil zwei, und in Ziefen eine Anlage, die mehr oder weniger regelmässig ihren Dienst tun. Es sind technikhistorische Anlagen, die dank der Fürsorge und des Interesses ihrer Besitzer bis heute im Betrieb geblieben sind. Besonders ein Wasserrad in Reigoldswil ist eine viel gesehene Antiquität. Reigoldswil ist in diesem Zusammenhnag überhaupt ein gutes Beispiel für die vielfach verschollene Indienststellung der Hydroenergie, wie sie in überschaubarem dörflichem Rahmen genutzt werden konnte. Ab 1300 bis heute sind überliefert: drei Mühlen, drei Sägen, eine Dreschmaschine und eine Turbine, sowie eine Hanfrupfe, Knochenstampfe, Öltrotte, Schleife und Gipsmühle – alles mit Bächleins (sporadischer) Kraft.  Keine Ausnutzungsidee war den Menschen dabei fremd: Bei Augst trieb der Rhein auf Flössen betriebene Wasserräder an, die Mühlen und Sägen per Transmission unterhielten. 1894, mit dem Kraftwerksbau Rheinfelden, begann dann in der Region die Ära der elektrischen Megamaschinen, ein Kraftwerkswunder als "europäisches Niagara" bekannt, die kostengünstiger – sowie verlässlich regelmässig - Elektrizität oder Transmissionsenergie bereitstellten. Gerade bei der Wasserführung, also der Verlässlichkeit, sind die kleineren Juraflüsschen mit ihren jahreszeitlich bedingten Auf- und Abs schnell unterlegen.

Meist erinnern Betonierungen oder „Abstürze“ an den Frenkenflüsschen, am Diegerbach, und an vielen anderen, daran, oder Strassen- und Quartiernamen wie „Mülimatt“, „Sagistrasse“, „Weiherstrasse“. Fast alle der von „Revita“ ausgemachten 150 Baselbieter Wasserkraftnutzungen, die um die Jahrhundertwende betrieben wurden, sind Vergangenheit. Die einzelnen Werke in Reigoldswil, Buus oder Ziefen, gelten, wie gesagt, als technikhistorisch. Hier gelte es ein Auge auf den Erhalt zu werfen, wenn möglich, urteilt Monika Wohlfender. Die Rekonstruktion einer aufgelassenen Anlage kommt dagegen aus (wirtschaftlichen- und) Gewässerschutzgründen kaum mehr in Frage. Z.B. betrieb die Hanro ein Werk, dessen Kanal jetzt an ein Naturschutzgebiet erinnert – abgesehen vom Kanal wurde alles andere abgerissen. Um so mehr liegt Monika Wohlfender die Pflege der letzten Räder und Turbinen in der Region am Herz – ein besonderes Interesse gilt dabei dem (aktuell demontierten) Mühlenstandort „Hägler“ in Lausen. Ohne ein Revitalisierungsprojekt droht der Mühlenkanal oberhalb Lausen, (noch) ein vitales Bachbiotop, zu verlanden. Hier wäre es um beide Überbleibsel schade, Kraftwerk wie Biotop, beobachten die Revitalisierer, wenn diese nicht erhalten werden könnten. Es gibt zwar zahlreiche Ideen für den Erhalt. Für eine erste Projektskizze werden gerade Finanzen gesammelt ( www.revita.ch). Bis das Projekt spruchreif ist, könnte aber noch viel Wasser die Ergolz hinabfliessen.

 

Sägen und Mühlen wurden Kraftwerke

 

Die Elektrizitätswirtschaft entstand die ersten fünfzig Jahre organisch dezentral, aus jahrhundertealten Strukturen. Zum Beispiel in Itingen. Für die Talstrasse T2 wurde 1965 die Itinger Säge (unterhalb Gstaadmatt) mitsamt ihrem Kraftwerk abgerissen. In ihrem 100 Jahr-Jubiläumsband erinnerte die Elektra Itingen daran: 1872 wurde der Ergolz für die neue Sägerei 600 Meter oberhalb ihres Standortes Wasser entnommen für den parallel laufenden Sägekanal. Er trieb ein 5,60 Meter durchmessendes Wasserrad an. Es bewegte drei Gattersägen per Riementransmission. 1920 wurde das Rad durch eine effizientere, unterirdische Turbine ersetzt. 44 erfolgte eine Betriebsumstellung auf Elektrogeneratoren und –motoren, die Transmissionen hatten ausgedient. Der Kanal wurde eingedohlt, um Gefälle zu gewinnen. 1952 folgte eine zweite Turbine (23,5 PS) und die bestehende wurde vergrössert. Zeitweise deckte die „Sagi“ mit ihren, umgerechnet 55 Kilowatt, 18 Prozent des örtlichen Stromverbrauchs, da deren Überschussstrom von der Dorfelektra weiterverkauft wurde. Mit der Sommerenergie wurde auch eine beliebte, elektrische Gemeinschafts-Dörranlage bei der Sagi betrieben.

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Wiederinbetriebnahme Cormoret 18.2.2002 Dies Wasserkraftwerk, ursprünglich eines Uhrenbetriebes im Bernbieter Jura in Cormoret, gilt als das erste, auf Elektrizität umgerüstete in der Schweiz. 1839 wird der Mühlen-Standort erstmals erwähnt. 1885 wurde sie mit einem Generator ergänzt. Sie soll im späteren Verlauf die erste Gemeinde in der Schweiz gewesen sein, mit öffentlicher elektrischer Beleuchtung. 

Generell weisen spärlich vorhandene Quellen daraufhin, dass im Berner Jura - in der Region der Uhrmacher - der elektrische Strom sehr früh floss. Elektrisches Licht war für die Feinmechaniker geeigneter als alles andere, und wurde hier früh erkannt. Vermutlich führten auch die feinmechanischen Kenntnisse der Leute dazu, dass diese ihre elektrischen Einrichtungen nach Mustern selbst zu erstellen begannen, was - im weltweiten Vergleich - diese Frühzeitigkeit erklären hilft. Schon damals sprach man mit Bewunderung vom Leuchten des Juras. 

1902 wurde am Mühlenstandort in Cormoret jedenfalls eine Uhrenfabrik eingerichtet, die vermutlich Kraftstrom und Transmission des Kleinkraftwerkes nutzte. 1919 wurde das Werk mit einer neuen Turbine saniert. 1948 wurde die bestehende durch eine 5 kW Kaplanturbine ergänzt, insgesamt nunmehr 30 kW. 1971 schloss die Uhrenfabrik. 1977 wurde an der Stelle ein Fabrikbau für eine Maschinenfabrik errichtet, das Kraftwerk verblieb.  1987 wurde es aus betriebswirtschaftlichen Gründen stillgelegt. 1999 wurde das Werk von A. Dubuis erworben. Dieser wurde zur Stiftung Revita am Ökozentrum Langenbruck vermittelt. 2002 konnte das vorbildlich, und mit der Hilfe von Arbeitslosen sanierte, mitsamt Kanalarbeiten, wieder ans Netz genommen werden. Revita

Südelsässer Mühlen erforscht 15. Januar 2002 Der äusserste Süden des Elsass ist von zahlreichen Flussläufen durchzogen, wie geschaffen für Wasserkraftnutzung. Korn-, Papier-, Hanf-, Ölmühlen und Sägereien säumten die Läufe. Im Sundgau existierten über 200 Standorte. Davon ist nurmehr wenig übrig. Ein kleines Museum in der Mühle von Walheim in Altkirch ist derzeit in Vorbereitung. Der regionale Geschichtsverein erarbeitete ein äusserst umfangreiches, vierbändiges Geschichtswerk. Bestellung: Société du Sundgau, BP 26, F-68400 Riedisheim. Preise: 13-25 Euro.

 

 

 

8.10.01Jubiläum 75 Jahre Rheinkraftwerk Ryburg-Schwörstadt 

In 75 Jahren erzeugte das Laufkraftwerk soviel Strom wie die Schweiz in einem Jahr verbraucht (doppelt soviel wie 1965/66). Es ist eines der elf Hochrheinkraftwerke zwischen Basel und Bodensee, genauer, zwischen Rheinfelden und Säckingen gelegen. Ryburg war weltweit das erste Werk mit vier Kaplanturbinen - gesamthaft ca. 120 Megawatt elektrisch darstellend (135'000 PS) -, die zuletzt 1983 erneuert wurden. Der Aufstau führte zum heute grossflächigen Bereich der Wehramündung (hier wird zugleich Wasser für die Pumpspeicherwerke der Schluchseewerke AG entnommen). Die Wehra entwässert eines der schönsten Schwarzwaldtäler. 

Eigentümer bzw. "Stromverbraucher" des Kraftwerks Ryburg-Schwörstadt sind die privaten Aare-Tessin AG, Olten, die gemischtwirtschaftliche EnBW AG, Karlsruhe, die privaten Kraftübertragungswerke Rheinfelden bzw. heute "Energiedienstgruppe" sowie die staatlichen Nordostschweizerischen Werke (NOK), Baden. Derzeit bemüht man sich um weitere Kostensenkungen, so wurde die Verwaltung dem Kraftwerk Laufenburg (KWL) übertragen. Vielleicht soll der Rheinstrom auch als Ökostrom verkauft werden. Umweltschutzmassnahmen befinden sich in Vorbereitung. 

Das Vorhaben "Ryburg" wurde zur Jahrhundertwende von der "Motor" AG für angewandte Elektrizität (gegründet 1895) entwickelt. Sie war der Finanzarm der Brown Boveri (BBC). Später beteiligte sich die Bank in Winterthur und löste die hauptsächlich deutschen Geldgeber ab. Die Winterthurer fusionierte später mit der Toggenburger Bank und dann mit der Schweizerischen Bankgesellschaft, heute UBS, die nachwievor Anteile an der heutigen Motor -Columbus AG hält - diese allerdings abstossen will. 

 

Deutsche erwerben für halbe Milliarde 4,5 Prozent der Inlands-Wasserkraft

Für 484 Millionen Franken kauft die deutsch-französische Energie Baden-Württtemberg AG (EnBW) die „Lonza Energie AG“ in Visp (VS), die vergleichbar 4,5 Prozent Inlands-Wasserkraft hält. 54 Mitarbeiter versorgen nur  reine Industriekunden. Insgesamt sichert sich das Karlsruher Unternehmen ein Inlands Strom-Schlüsselunternehmen mit hochwertigen Transportquoten.

Basel/Visp/Karlsruhe (25.07.01) Auffällig deutlich versichert das Karlsruher Unternehmen, dass die „Lonza Energie AG“ unter neuem Namen – und demnächst  auch als Börsen-notierte Firma, mit Sitz im Wallis - , fortgeführt wird. In Visp, wo die Lonza Group vor zehn Jahren ihre intern ausgegliederte Energie(-Eigenerzeugungs-)sparte ansiedelte, gibt man sich betont erfreut über den gelungen Handel. Die EnBW als Neueigentümerin mit Euro-Hintergrund garantiere den Wallisern den Bestand am Strommarkt, den man sich wünschen könne. Erhofft werden eine Stärkung der in- und ausländischen Stromaktivitäten, neben denen, die bereits gepflegt werden.

Mit der Publikation des Zuschlages ihrer Energiesparte an die EnBW AG, schliesst die Lonza Group (Basel) ihr  im Januar publiziertes   Devestitionsprogramm erfolgreich ab. EnBW bot in der Schlussrunde den höchsten Preis. Daneben hatten weitere geboten: die Aare-Tessin AG (atel), die Westschweizer EOS SA sowie ein anonymer Bewerber. Im Februar hatten sich zunächst ca. 35 Interessenten verlautbaren lassen. Auf die EnBW entfiel die Zusage dank Höchstpreisgebot und unternehmerischer Perspektiven wegen.

Im engeren Umfeld sei der Verkauf an die EnBW AG begrüsst worden, sagt René Dirren (Lonza Energie AG). Angesetzt sind eine Reihe von Gesprächen mit dem Staatsrat sowie konzessionsgebenden Gemeinden und Partnern aus Partnerkraftwerken, um den Verkauf zu erklären. Klärungsbedarf gibt es da, wo die Lonza Energie AG Elektrizität rein kommissarisch verwaltet (woraufein Teil der ca. 20 Stellen entfallen, die restlichen dreissig auf Unterhalten und Technik). René Dirren: „Unsere Bevölkerung und unsere Partner sollten spüren, dass uns mit der ‚EnBW’ der Sprung in die Zukunft geglückt ist.“

Die Lonza Energie AG kann als ein ungewöhnliches  Elektrizitätsunternehmen gelten: denn neben der Wasserkraft-Kapazität hält sie historisch begründetes Eigentum an Transportquoten auf den Stromfernstrassen („Verbundnetz“). Dies spielt auch für die EnBW eine grosse Rolle, wie Unternehmenssprecher Klaus G. Wertel einräumt. Nicht verdeutlicht wird, welcher Faktor welche Rolle spielte: Krafterzeugungskapazität, Kundennetz oder Stromtransportquoten (die vom Wallis bis zum (Euro-Schalt)-„Stern“ Laufenburg reichen). Seitens der Walliser war klar: „uns gab es nur als Gesamtpaket.“ Bedeutsam sind ferner die vertraglichen Industriekunden, vor allem Standorte der Lonza Group und der Alusuisse, darunter auch deutsche. Dazu gab es bereits zu Monopolzeiten Durchleitungsverträge auf partnerschaftlichen Grundlagen (worauf sich die Transportrechte stützten).

Verkauf und Tätigkeitsfeld der Lonza Energie AG können nur historisch verstanden werden: das Basler Unternehmen „Lonza Elektrizitätswerke und Chemische Fabriken AG“ wurde 1897 in Gampel/VS etabliert, da sich die interessierten Kreise dort Wasserrechte (zur Stromproduktion) für ihre elektrochemischen Prozesse sichern konnten. Bis letztes Jahr diente die Energiesparte der Lonza vorab der Eigenstromproduktion für sich und die  Alusuisse-Unternehmungen im Inland und Deutschland. Bis auf weiteres soll die Rolle der Eigenstrom-Verteilerin erhalten bleiben. Wertel: „Der Strom der Walliser ist nicht beliebig vermehrbar.“

Die südwestdeutsche Energie Baden-Württemberg AG mit Sitz in Karlsruhe ging vor fünf Jahren aus der Fusion der staatlichen Badenwerke und der Energieversorgung Schwaben hervor. Sie ist Deutschlands drittgrösstes Unternehmen und in Europa als elftgrösste platziert. Letztes Jahr erwarb die Electricité de France (EdF) ein Viertel daran, was EnBW wie Land Baden-Württemberg zur Stärkung des Standortes Karlsruhe angestrebt hatten. Auch ist der Vorstandsvorsitzende Gerhard Goll ist in der Schweiz ein Bekannter: er handelte den Stromern schon Anfang der 90er Transitrechte im bis dahin fast nur  im Alleingang von den Schweizern beherrschten Italien-Geschäft ab. Goll kennt die Lonza Energie AG bereits durch eine bestehende Zusammenarbeit im hochrheinischen Partnerkraftwerk Rekingen (D). Auch die Walliser bestätigen: „Da wir uns gut kennen, haben wir es mit einem Vertrautem zu tun.“

Zunächst soll bis auf weiteres das Tätigkeitsspektrum der Walliser erhalten bleiben. So ist es reiner zeitlicher Zufall, dass – aus deutscher Sicht -, der Erwerb der Schweizer Wasserkraftanteile zeitgleich mit der Fusion der bayerischen und österreichischen Wasserkraft stattfand (der Fusion von Teilen der E.On- und „Verbund“ zur „European Hydro“). Dennoch erwächst den Inlands-Stromern durch die Visper ein Mitbewerber auf dem Strommarkt für Grosskunden, der neu auf Synergien mit europäischen Grössen (zählt man die EnBW-Miteignerin EdF hinzu) rechnen kann. EnBW/EdF sind ferner an der Schweizer Nummer eins, der „atel“ (Olten) beteiligt. Auf Verlangen der EU-Kartellbehörde muss der Anteil der EnBW an der Schweizer Nummer zwei, der Watt-Gruppe, abgegeben werden.

 

Info

Lonza Energie AG, Visp (VS)

Umsatz: nicht bekannt 

Mitarbeiter          54

Kraftwerkskapazität         370 MW 

Krafterzeugung p.a.         1418 GWh

Kraft unter Vertrag         2149 GWh

Ltg. Höchstspannung 175 km    

Ltg. Mittelspannung 165 km

Ausgewählte Kraftwerks-Anteile:

Rheinkraftwerke Neuhausen und Rekingen (D), EW Rheinau (=27 MW); Walliser Rhonetal: Lonza Ltd., Aletsch AG, Lötschen AG, Salanfe SA, Rhonewerke AG, Ackersand, Electricité de la Lienne, Aegina AG, Mattmark AG, Gougra AG (=1246 MW)

MW=Megawatt (Leistung)

GWh=Gigawattstunden (Energie)

Lonzagroup Energie www.lonza.com

Energie Baden-Württemberg AG www.enbw.com

Zur Story: Basel, Elektronen und Chemie = Walliser Elektrochemie 

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Strom-Blockade in Rheinfelden durch E.On und EnBW  

 Was passiert mit der Energiedienst GmbH bzw. den ehemaligen Kraftübertragungswerken Rheinfelden und Kraftwerk Laufenburg, fragen sich die Rheinfelder bald ein Jahr lang? Wie Strom-Report aus gut informierter Quelle bekannt ist, blockiert eine Auseinandersetzung im Aktionariat der Watt-Gruppe (Dietikon) zwischen der Energie Baden-Württemberg AG und der Münchner E.On Energie AG die Bereinigung der Anteile (Credit Suisse und die NOK sind weitere Anteilseigner). Schon lange interessiert sich die EnBW für die Rheinfelder Energiedienst, ein Bestandteil der Watt-Gruppe, die das Verteilgebiet der EnBW in Südwestdeutschland komplettieren würde. Andererseits hat E.On in der Südwestecke zahlreiche Erdgas-Beteiligungen, wozu noch das Elektrizitätsnetz gesucht wird. Bisher verhärteten sich die Fronten zwischen den Interessenten nur. „Die Auseinandersetzung im Verwaltungsrat hat den Boden des Faktischen verlassen und wird aus Prinzipgründen fortgeführt“, sagt ein Beobachter. EnBW hat ihre Watt-Anteile auf Geheiss der EU-Kartellbehörde offziell bis Anfang August abzugeben – Kaufinteressent sind die Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK).  Ohne Einigung in der Rheinfelder Frage wird die Nervenprobe zunächst – mit Fristverlängerung durch die EU - weitergehen.

Das grüne Wunder vom blauen Strom oder das Gold vom Rhein

30.6.01: Grenzach-Wyhlen. „Das steigende Umweltbewusstein trägt dazu bei, dass immer mehr Verbraucher individuell aus der Atomenergie aussteigen und ökologisch erzeugten Strom nutzen“, sagt Andreas Fusser. Fusser jobbt für „NaturEnergie“ in Grenzach-Wyhlen statt wie vorher beim meinungsmächtigen Bonner Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Einige Umweltschützer fassten Fussers Wechsel kaum. Sie hämten, ein Atomstromer angele sich ein williges Feigenblatt. So bewegt sich Fusser als Grünkraft-Produktmanager zwischen Markt und Meinungsbildung. Beides ist hart, die vorgefassten Meinungen härter.

Szenenwechsel, Rheinfelden, gleich hinter dem deutschen Zoll an der Rheinbrücke. Hier ist der altehrwürdige Sitz der Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR), die den badischen Südwesten versorgt. Ein Tochterunternehmen der ebenso altehrwürdigen Elektrowatt, bis sie Ende 90er zur Zürcher „Watt“-Gruppe transformierte. Als nach Tschernobyl 1986 eine Gruppe Schönauer, eine idyllische Gemeinde im Wiesental, die jahrzehntealte monopolistische Geste und Versorgung der KWR satt hatte, erstritten sie sich das Verteilnetz, begünstigt durch den Konzessionsheimfall. Die Schönauer Stromrebellen („Ich bin ein Störfall“) erregten bundesweit Aufsehen – KWR verbuchte Imageschaden.

KWR stand demoliert da, wie Shell nach „Brent Spar“ 1995. Was führt zu solchen Debakeln? „Cor“ Herkströter, 1997 CEO Royal Dutch/Shell analysierte: „Eine der Hauptgründe war eine Art ‚technische Arroganz’, die in Unternehmen mit starker technischer Prägung durchaus verbreitet ist.“ Diese Worte könnten auch von Gerhard Haury stammen. Der KWR-Vorstandsvorsitzende, seit Mitte 90er, steht für die Quasi-Fusion mit den Kraftwerken Laufenburg (KWL) zur deutsch-schweizerischen „Energiedienst“-Gruppe sowie für die bundesweit lancierte „Naturenergie“, die ihr Domizil im unweit entfernten Doppel-Rheinkraftwerk Grenzach-Wyhlen erhielt (vis-a-vis von Augst) und wo Andreas Fusser amtiert. 

 „Mit dem Elektrizitätsmarkt wurde klar, dass das Unternehmen einen Kulturwandel benötigte“, sagt Haury. Sein Team, unter anderem mit dem heutigen Chef der Eidgenössischen Steuerverwaltung, Urs Ursprung, analysierte die Pre-Marktsituation. Mit Rheinkraftwerken wie Wyhlen, Rheinfelden lag der Nutzen sozusagen im blauen Rheinstrom  selbst. KWR/KWL-Haury fühlte unbefangen in Naturschutzkreisen vor für Allianzpartner und erlebte sein blaues Wunder. Sollte sich der Sheriff von Nottingham zu den Robin Hoods des Black Forests schlagen?! Das ging zu schnell! Haury echt verblüfft: „Statt Antwort erhielten wir die ‚Naturstrom’ vor die Nase gesetzt.“

Nachdem der Tunnelblick neue Allianzen verhinderte, lancierte Haury aus eigener Kraft und Antrieb „Naturenergie.“ Dabei gibt es zwei sanft getunte Elektrokraft-Qualitäten: Die Formel „Gold“, da tut man was für den Ausbau der Kleinwasserkraft (z.B. im Wiesental). Als „Silber“-Kunde gibt es reine Rhein-Wasserkraft. Und alternativ bleibt der „Egalstrom“ (Eurostrom-Mix), ein Begriff den Haurys neuer Mitarbeiter Kai-Hendrik Schlusche, Vorstandskollege von Fusser,  prägte. Er ist der nimmermüde Direktverantwortliche und sponserte jüngst den SC Freiburg schlagzeilenträchtig. Schlusche ist der direkte Vorgesetzte Andreas Fussers. Das ist die ganze Hierarchie. Haury: „Wir lagen gold-richtig, dank unserem Team.“ Die Öffentlichkeitsarbeit war neu und, so Haury: „Wichtig war, dass die Beziehungen in der Firma stimmten.“ So ist PR-Chef Thomas Zwigart ebenso „Human-Relations“ Verantwortlicher.

Die Rheinfelder buchstabieren Rheingold neu mit Naturenergie statt Walhalla und Nibelungen. Nach zweieinhalb Jahren ist das Team mit 144’500 Abnehmern führend im Nachbarland. Der Umsatz verbucht mit 29.9 Millionen D-Mark und bilanziert mit der schwarzen Null. Neu werden Kunden jenseits der „Öko-Ecke“ angepeilt („Aussteiger“). Man hofft auf ein Umsatzwachstum von zwanzig Prozent auf 36 Millionen im 2001. Abnehmer sind Gemeinden, Kirchen, Unternehmen wie Ricosta. Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass die Störfälle aus Schönau mit Naturenergisten aus Rheinfelden im Wettbewerb liegen würden?

www.naturenergie.de

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Hier Bush, da Patakis US-Grünstrom-Allianzen    Basel/Albany. George E. Pataki, Gouverneur des US-Gliedstaates New York, veröffentlichte kürzlich seinen Umwelt- und Energie-Plan. Als Hauptrichtung gilt, bis 2010 staatliche Verbraucher bis 20 Prozent Energie aus Neuen Erneuerbaren beziehen zu lassen. Der Parteikollege von US-Präsident Bush setzt willentlich ein Zeichen gegen energiepolitische laisser-faire-Politik. US-Umweltschützer werden mit einem „Wow“ zitiert: Wohin die Richtung der Innovationen zeigt: von schmutzigen Energiequellen hin zu sauberen“, schrieb „Fortune“ bereits in der März-Titelstory. „Clean“ kommt nämlich an: die US-Unternehmen Delphi, DuPont, General Motors, IBM, Interface, Johnson & Johnson, Kinkos und Pitney Bowes schnürten mit dem World Ressources Institut einen Grossisten-Deal für Grünstrom: in zehn Jahren soll eine Kapazität „Neuer Erneuerbarer“ (Wind, Solar, Kleinwasserkraft, Biomasse) von 1000 Megawatt gestellt und mit fixierten Orders gesichert werden. Ist Masse doch Klasse? Darüber diskutieren Naturschutzkreise kontrovers. Carolin Franklin, CEO WWF Schweiz analysierte in Basel: „Um die Umwelt entscheidend zu entlasten, ist eine Partizipation an den Märkten nötig.“ Seitenanfang

 

Die Kraftwerk Birsfelden AG vertagte eine Öko-Deklarierung 

(6.2.01) bis auf weiteres, hielt der Verwaltungsrat (Kantone Stadt und Baselland sowie die Elektras) an seiner letzten Sitzung fest. Dabei tendierten der Stadtkanton für und die Baselbieter gegen den vorgesehenen Garantie-Mechanismus der Organisation "Naturmade", die für eine Zertifizierung ins Auge gefasst war. Hintergrund des blockierten Verfahrens ist ein verschärfter Verdrängungs- und Profilierungskurs der Verteiler untereinander.

 Als Hauptgrund für die Vertagung nennt Elektra Birseck-Direktor Hans Büttiker gegenüber "Stromreport" die Diskussion über eine gesetzliche Regelungspflicht zur Stromkennzeichnung. Die Frage wird derzeit vom Bundesamt für Energie behandelt. In dieser "Inhaltsdeklarationspflicht für Steckdosen" sieht der Gesetzgeber einen Vorteil für den schweizerischen Erzeuger- und Verteilermarkt im Wettbewerb. Damit soll anonymen "Egal-Strom"-Angeboten und einer Verschlechterung des Schweizer Strom-Mixes vorgebeugt werden.

Täuscht die Vertagung zunächst über energiepolitische und elektrizitätswirtschaftliche Stagnationen (insbesondere der Baselbieter) hinweg, so sind in der Sache die Auffassungen unter den beteiligten Elektrizitätsverteilern entschieden unterschiedlich. Dies zeigte die Verwaltungsratsdiskussion, so weit sie nach "draussen" drang. "Wir bedauern das", sagt Eduard Schumacher, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Industriellen Werke der Stadt. Er meint: "Mit Birsfelden haben wir ein allerbestes Kraftwerk. Stromerzeugung von hier, für die Menschen von hier - nicht erst übermorgen, das wäre unser Wunsch gewesen."

Demgegenüber argumentiert Hans Büttiker: "Für unseren hochwertigen Schweizer Wasser-Strommix stehen wir gegenüber den Konsumenten in der Schuld. Aber die vorgesehene Strom-Deklarierung von "naturmade" für Birsfelden könnte einen Glaubwürdigkeitsverlust für uns nach sich ziehen."

In Fragen einer "Öko"-Kennzeichnungspflicht tun sich unter den Elektrizitätsverteilern derzeit Gräben auf: Die eine Seite unterstützt das Öko-Garantiesiegel "naturmade", die andere Seite hält eine reine Produktionskennzeichnung für genügend. Wo liegt der Unterschied? Die deutschen "TÜV"-Organisationen z. B., zertifizieren alleine die Wahrheitsaussage; also Wasserkraft x muss Wasserkraft x sein (und nicht U).

"Naturemade"-Elektrizität gibt es dagegen gekoppelt: Es ist mehr als eine Garantie; es ist ein Mechanismus. "Naturmade" in der Steckdose bedeutet folglich Stromkonsum und zusätzliche Erzeugung (Solarstrom, Windstrom, Biomasse etc. und Gewässer-Revitalisierung). Swisscitypower, also IWB & Co., nehmen diesen "naturemade"-Fördermechanismus hin, bezahlen und vermarkten es entsprechend. So bewertet die Axpo-Gruppe (NOK) den Förder-Mechanismus als unnötig (etwa für das Kraftwerk Augst, um ein Beispiel aus der Region zu zitieren).

Nicht als unnötig, aber "als in dieser Form nicht wirtschaftlich tragbar für uns", beurteilt es die EBM. Sie sieht die Erzeugung "neuer erneuerbarer Energien", jedenfalls was die "Naturmade"-Vorgaben betrifft, als unverhältnismässig dimensioniert an. Hinzu kommt, dass kürzlich SP-Nationalrätin Simonetta Sommaruga in Basel den Wert des "naturmade"-Labels vom Typ "basic" (wie für Birsfelden diskutiert) als unglücklich vor aller Ohren der regionalen Elektrizitätswirtschaft, da die inländische Wasserkrafterzeugung ohnehin "basic" sei. Eine Aussage, in einer Ausgangslage wie der gegenwärtigen, die hüben wie drüben für Konsternation sorgt. 

www.kw-birsfelden.ch

Strom in Deutschland muss wahrheitsgetreu deklariert werden (27.2.01) Namen sind mehr als Schall und Rauch - sie sind bestenfalls Garantien. So ist nur Schaumwein aus der Champagne der Champagner - der Rest ist Schaumwein. Was aber perlt bei "Hochrheinstrom" aus dem Kabel? Nicht Naturstrom, beschied das Landgericht Mannheim der "Hochrheinstrom"-Vertreiberin, den Stadtwerken Waldshut-Tiengen. Denn die Waldshuter decken sich bei der Oltner Aare-Tessin AG (Atel) ein, die 60 Prozent Atom ins Endprodukt mixt. Gegenwärtig vertreiben die Waldshuter, vorsichtig geworden, nur mehr "H"-Strom. Der Entscheid signalisiert der elektrizitätswirtschaftlichen Szene links- und rechtsrheinisch, dass Namensgebung wahrheitsgetreu zu sein hat. Vorkämpferin in dieser Sache ist die "Naturenergie" (Badisch Rheinfelden). Sie vertreibt "Naturenergie gold/silber" erfolgreich mit Ökoaufschlag, dies im eigenen Verteilgebiet und bundesweit. Naturenergie macht geltend, dass sie zertifizierten Hochrheinstrom vertreibt und nicht nur vollmundig als solchen deklarierten.

 

 

 

Rheinkraftwerk BIrsfelden auf dem Kompass   

 

Planspiele für Pumpspeicherbecken im Bettinger Wald

 

14.2.01 Vorläufig nur eine Skizze auf Papier – mit echten Interessen im Hintergrund: so präsentiert sich die Idee für ein Pumpspeicherkraftwerk Bettingen-Birsfelden. Nach gegenwärtigen elektrizitätswirtschaftlichen Bedingungen wird das Projekt vorläufig Papier bleiben.

 

Muttenz/Basel. Mit Billigstrom aus Produktionsüberschüssen könnte das Rheinkraftwerk Birsfelden zusätzlich ein Pumpspeicherbecken betreiben – und bei Spitzennachfrage, sowie bei Rheinniedrigwasser, die „gespeicherte“ Elektrizität aus lokaler Quelle per Knopfdruck verfügbar machen. Vergleichbare, zurückliegende Projektskizzen für das weiter rheinaufwärts liegende Kraftwerk Laufenburg verflüchtigten sich schon vor Jahren der Kosten-Nutzenrelation wegen. In den 60er Jahren erxistierten auch Ideen für ein Pumpspeicherwerk auf dem Gempenplateau, die sich auch bereits in einem frühen Stadium verflüchtigten. Tatsächlich existieren, von der Schluchseewerke in Freiburg Breisgau betrieben, mehrere solche Kraftwerke auf der Strecke bis Bodensee.

Mindestens im Planspiel erscheint heute eine Ergänzung des Rheinkraftwerks Birsfelden um ein Pumpspeicherbecken denkbar. 600'000 Kubikmeter könnten zwischen Staupegel  und Gebirgshöhe hin- und hergeschoben werden zur Elektrizitätsveredelung von pro Jahr brutto ca. 1,2 Milliarden Kilowattstunden (entspricht 35'000 Haushaltsbezügen). Zwei Diplomanden (Pawel Hug und Felix Schneider) der Fachhochschule beider Basel, Abteilung Bauingenieurwesen (Peter Gonsowski), prüften die Voraussetzungen und schlussfolgerten, dass sowohl unter Gesichtspunkten des Naturschutzes, der Wirtschaftlichkeit und Durchführbarkeit das Vorhaben plausibel erscheint. Entscheiden aber wäre, und dass weiss noch niemand, ob der „Berg“ kostengünstige Tunnelarbeiten überhaupt zuliesse.

 Zwei Punkte stehen im Vordergrund des Interesses: wo – landschaftlich - würde das Speicherbecken untergebracht und wieviel kostet es? Benötigt würde ein Becken von ca. 70'000-80’000 Quadratmetern Grundfläche, möglichst gebirgig gelegen, auf Schweizer Boden. Der Geländetopographie wegen in Frage käme der baslerische, rechtsrheinische Höhenzug zwischen Bettingen und Grenzach, speziell das Gebiet „Ausserberg“. In der Linie von Waldgrenze Bettingen Richtung Grenzach bietet sich im Talabschnitt ein Waldstück an, wo ein Becken wenig einsehbar und praktisch versteckt installiert werden könnte. So würde ein Kulturlandverlust vermieden, in nächster Nähe, Chrischona, könnte eine Ersatzwaldfläche aufgeforstet werden (wiederum ohne Kulturlandverlust). Mit Ersatzmassnahmen könnte zudem die floristische Artenvielfalt des Areals aufgewertet werden.

 Unterirdisch verliefe vom Speicherbecken ein Fallrohr zu einer gleichfalls unterirdisch installlierten Kraftwerkskaverne mit zwei Pumpturbinen von je 30 Megawatt. Ausgenützt würde eine Fallhöhe von 182 Meter, die sich durch den Höhenunterschied von „Ausserberg“ zum Stausee oberhalb Kraftwerk Birsfelden ergeben. Pumpwasser Aus- und Einlauf wäre hier angesiedelt. Was die Kosten betrifft, liegen rein überschlägig errechnete Zahlen vor. Es wird von ca. 90 Millionen Franken Investitionen ausgegangen. Dementsprechend ergäbe sich ein Spitzenstrompreis um 10 Rappen, was heute tragbar erscheint – elektrizitätswirtschaftlich ist dies vor allem für Industriellen Werke Basel, sowie die Baselbieter Elektra-Genossenschaften von Interesse, um ihre teuren Spitzenstromzukäufe durch Eigenstrom zu vermindern. Gerade weil die Werke, neben den Kantonen Stadt und Landschaft am Kraftwerk beteiligt sind, wäre auch die Abnahme garantiert. Wirtschaftlich, da das Rheinkraftwerk auf eine geplante Austiefung des Rheines für 30 Millionen Franken letztes Jahr verzichtete, erscheint die Finanzierung denkbar. Vorläufig aber bleibt es bei der Projektskizze der Fachhochschule – im Umfeld des Kraftwerks deutet derzeit nichts auf eine ernstzunehmende Initiative hin. Von seiten der IWB wird sogar deutlich abgewunken. Es bleibt vorderhand eine Idee auf Reserve. 

   

Rheinkraftwerk Birsfelden vom Stapel: Volle Kraft voraus

 

15.9.00 Nach fünfjähriger Arbeit geht das Kraftwerk Birsfelden revidiert vom Stapel. Und fünfzig Jahre nach der Gesellschaftsgründung wurde die Kraftwerkstechnik für 70 Millionen Franken revidiert und die Leistungsfähigkeit um fünf Prozent verbessert. Jetzt gilt‘s „volle Kraft voraus“.  Am Freitag fand ein offizieller Festakt statt mit der Basler Regierungsrätin Barbara Schneider, vielen alt Regierungsräten, den Parlamentsspitzen und Elektro-Wirtschaftsführern.

 

Birsfelden. Das 1954 oberhalb des Birsköpfchens errichtete Rheinkraftwerk Birsfelden zählt zu den bedeutenden inländischen Grundlasterzeugern. Vor einem halben Jahrhundert gründeten es der Kanton Basel-Stadt (50 Prozent am Aktienkapital), Basel-Landschaft (25 Prozent) sowie die Elektra-Genossenschaften Baselland und Birseck (10 und 15 Prozent). Dieses frühe „partnerschaftliche“ Projekt sollte damals die Arbeitslosigkeit mindern helfen und die Konjunktur ankurbeln (dazugezählt: die Schleuse für die Baselbieter Häfen). Es entstand das grösste Laufkraftwerk und das einzige, obwohl es Baden-Württemberger Gebiet berührt, dessen Produktion ganz der Schweiz zugeht (vice versa beim Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern). Birsfeldens Leistungsvermögen (netto ca. 517 Gigawattstunden/1999) reicht, um das obere Baselbiet zu versorgen. In den vergangenen Jahren wurde es für 70 Millionen Franken saniert und erzeugt als Effizienzgewinn soviel Strom mehr wie z.B. Reinachs Haushalte verbrauchen (25 Megawattstunden). Nochmals soviel wäre auch durch die Rheinaustiefung (Schleuse bis Wettsteinbrücke) erzielbar gewesen, wurde politisch aber abgeblockt (weiter). Damit ist die Station technisch „fit“ für die nächsten 40 Jahre (bis Rhein-Konzessionsablauf).

 

Die vier Birsfelder Turbinengruppen (jede 140 Tonnen schwer und so gross wie die Schiffsschraube eines Super-Tankers), das Stationsherz, wurde mit einer Feier eingeweiht. Die Kraftwerksinsel und die -bauten boten die Arena, in die an diesem Samstag auch die Bevölkerung eingeladen ist (bis 17 Uhr). Um dem anhaltendem Publikumsinteresse zu entsprechen, wurde neu ein „Medienraum“ geschaffen im Kraftwerksanbau sowie ein Internetauftritt (www.kw-birsfelden.ch). Regierungsrätin und Verwaltungsratspräsidentin Barbara Schneider nannte das Werk in ihrer Hauptansprache einen „Höhepunkt“. Sie erinnerte an die Funktion der regenerativen Energien – darunter Wasserkraft – für den Energiebedarf. Tatsächlich geniesst das Kraftwerk die Funktion eine der raren Elektrizitätserzeugerinnen der Region beide Basel (die ansonsten ihren Strom vom Netz „ennet dem Jura“ zieht).

 

Ganz allgemein gaben die Leistungsdaten zu reden: Das Werk erledigte die Revision aus eigener Kraft. Zu einer Zeit, in der Stromwirtschaftler die Zukunft für unvorhersehbar halten durch die Elektrizitätsmarktliberalisierung. Aber Kraftwerke dieser Grössenordnung liegen im Trend. Birsfelden ist ein „Kraftpaket“ der energieökonomischen Ausrufezeichen: trotz der 70 Millionen-Revision bleibt der Kilowattstunden-Gestehungspreis mit 3 bis 3,5 Rappen vergleichsweise günstig. Ddas Rheinkraftwerk Augst verrechnet 12 Rappen.

 

Als Schlüsselperson und „Glücksfall“ zum wirtschaftlichen und technischen Erfolg gilt die Person des Werksdirektors: Werner Maier - und dessen Zusammenwirken mit dem langjährigen alt Regierungsrat und alt Kraftwerks-VR-Präsident Hans Fünfschilling. Vom Spardruck der Kantonskasse dauergeplagt, verlangte und förderte Fünfschilling von der Kraftwerksmannschaft offensichtlich ein Ausschöpfen aller Eigenressourcen. Werner Maier, früher polyglotter Elektro-Ingenieur im Dienste der ABB, seit sieben Jahren fürs Kraftwerk im Amt, kniete sich sprichwörtlich in die Materie und realisierte mit der Stationsmannschaft eine Revision, deren Effizienz selbst Generalplaner erblassen lassen müsste. Von einer Panne kürzlich abgesehen, gingen die Arbeiten planmässig und störungsfrei vonstatten.

 

Kosten und Zeitrahmen des Revisonsprojekts von 1995 bis 2000 wurden unterschritten – die Kraftwerkstechnik ist (in Zusammenarbeit mit VaTechHydro – früher Escher-Wyss) vom modernsten. Statt zweijähriger Wartungsintervalle der Turbinen werden nun sechs genügen. Statt zehn verschiedener Schmieröle – als Beispiel – wird nur noch eines benötigt, usw. Ausserdem kann das Kraftwerk durch Computer-Überwachung streckenweise „mannlos“ gefahren werden. Selbst in Notlagen reicht die Generatorenleistung um überlebenswichtige Einrichtungen am Basler 50-Kilovoltnetz zu versorgen. Zu allem positiven Überfluss ist das Kraftwerk – das quer im Rhein steht – ein wichtiger architektonischer Bezugspunkt und Wiedererkennungswert beider Basel geworden. Wer die Region über die Verbindungsbahnbrücke erreicht (oder verlässt), nimmt  jedesmal ein „Auge voll“ mit von der landschaftlichen Schönheit und Gestaltung der Gegend und, eben, dem Kraftwerk, besonders entzückend wenn die Turbinenhalle leuchtet.

 

So erstaunt es wenig, wenn sich am Freitag die Festgäste über den „Kraftort“ freuten. So folgten Landratspräsident Peter Brunner und Grossratspräsident Markus Ritter dem Ruf auf die Anlageninsel, Gemeindepräsident Peter Meschberger, alt Regierungsrat und Kantonalbankdirektor Paul Nyffeler, die alt Regierungsräte (und zumeist auch alt Verwaltungsräte) Kurt Jenny, Christoph Stutz, Hansruedi Striebel, Eugen Keller, Jörg Lutz (Bürgermeister Grenzach-Wyhlen), Ulrich Springer (Regierungspräsidium D-Freiburg), Nationalrat Hans Rudolf Gysin, die Chefs der örtlichen Stromversorger (Hans Büttiker, Rainer Schaub, Klaus-Peter Schäffer, Reinhold Tschopp, Eduard Schumacher) und Conrad Amman, Direktor Elektrizitätswerk Zürich. Aus Bern stiess Eduard Kiener, scheidender, langjähriger Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE) zum Energiefest. Zudem gesellten sich die benachbarten Kraftwerksgesellschaften ans frühere Sternenfeld, Unternehmer-Figuren, die mit der Sanierung zu tun hatten und Exponenten von Natur- und Gewässerschutz (alte Streiterein sind teilweise beigelegt). Ganz nach dem Motto: unter Strom für Strom beider Basel.

 

Architekturwettbewerb nötig

 für„Parade“-Grundstück

 

Am Kraftwerk Birsfelden wird um das spannendste Bauprojekt des Baselbiets gerungen: ein weiteres Hochhaus auf einem Paradegrundstück zwischen Kraftwerk und Rheinpark-Hochhäusern. Diplomarbeiten der Universität Karlsruhe demonstrieren, dass das mögliche Überbauungs-Spektrum weiter reicht als das eines bisher präsentierten „kubischen Monolithen“.

 

Birsfelden. „Das Wohnhochhaus ist zwanzig Jahre lang ein Tabu gewesen an den Schulen und Hochschulen. Jetzt hat man sich von alten Zwängen gelöst und propagiert es wieder, wohl wissend, dass es kein Allheilmittel ist“ sagt Peter Fierz, Architekt in Basel und Professor für „Baukonstruktion und Entwerfen“ an der Universität Karlsruhe. Vier seiner Diplomanden leuchteten das Spektrum aus - für das derzeit wohl spannendste Bauprojekt auf Baselbieter Boden und in Basler „Sichtachsen“: ein weiteres Hochhaus am Sternenfeld. Die Modelle der Karlsruher waren nur einen Tag während des 50-Jahr-Jubiläums des Kraftwerks in der Maschinenhalle zu sehen – auf das Publikum hinterliessen sie nachhaltigen Eindruck und lieferten spontanen Gesprächsstoff.

 

Das Areal beim Rheinkraftwerk, nach Einschätzung der Regionalplanung eines der noch unüberbauten Paradegrundstücke, hat das Zeug, ein architektonisches Wahrzeichen zu bilden. Von der Verbindungsbahn- und Schwarzwaldbrücke her gesehen (oder auch von der Grossbasler Seite der Wettsteinbrücke) wird der Neubau den „Glaspalast“ (der Maschinenhalle des Kraftwerks von Hans Hofmann) mit der bisherigen Birsfelder Skyline verknüpfen.

 

Der Diplomand Markus Glaser errichtete eine sanft unterteilte Hochhausscheibe, deren Gesamtvolumen durch eine Kompartimentierung relativiert wird. Er platzierte einen Nutzungsmix in seinem Modell: auf den ersten sechs Geschossen Familienwohnungen mit Ost/West-Orientierung; im Süden (Richtung Wärme) betreutes Wohnen bzw. eine Seniorenresidenz auf den mittleren Geschossen. Dazu drei und vier Zimmer Maisonnettes (als Stockwerkseigentum) und eine Palette von anderthalb bis dreieinhalb Zimmer-Wohnungen (für Familien und Singles). Restaurant und Dienstleistungen sind auf den ersten Stockwerken denkbar. Die Fassade wirkt in sich geschlossen und fein gegliedert und doch sichtlich vielgestaltig (damit auf die verschiedenen Nutzungen anspielend und darstellend).

 

Einen expressionistischen Entwurf mit einem technophilen Aspekt schuf Matthias Link – es wirkt entfernt wie die Hochhausscheibe von Sony in Berlin mit einer leichten Drehung in sich und zusätzlich einem abgehobenem Restaurant zuoberst (mit separaten Lifts erreichbar), von dem man sicherlich das erschöpfendste regionale Panorama geniessen könnte. Ansonsten verbirgt viel Glas grosszügigen Wohnraum, der sich von der Nord-Süd-Achse her entfaltet zu den grossen Glasfronten (also Sichtachsen mit Richtung Rhein und Jura). Sein Entwurf würde einen kulturellen Akzent an diesem Bauplatz setzen.

 

Hans H. Trost gliedert seine Hochhausscheibe in zwei gleichmässige Kuben beidseitig des Erschliessungsturms. In Nordrichtung Lofts von hundert Quadratmetern mit 240 Grad Rundum-Sicht (als Ateliers denkbar für Selbständige).

 

Die grösseren Maisonettes im Süden wechseln mit Geschosswohnungen ab – trotz dichter Wohnnutzung wirkt der Bau licht und leicht. Stephan Grosch legt einen Entwurf für gehobenes Wohnen vor. Sein Projekt widerspiegelt den Trend zum flächenhaften Stil. Sein Turm-hafter Bau stemmt sich elegant in die Höhe und vereint Nutzungen für Dienstleistungszwecke und Wohnraum. In Nordrichtung Lofts von hundert Quadratmetern mit 240 Grad Rundum-Sicht (als Ateliers denkbar für Selbständige).Es verbindet durch eine leichte Parallelogrammbildung die Kraftwerkshalle mit den bestehenden Überbauungen. Er schafft eine geschlossene Birsfelder Skyline.

 

So gesehen, repräsentieren die vier Diplomarbeiten ein Spektrum, in welchem gebaut werden könnte. Es geht weit über das hinaus, was bisher als Planungsidee vorliegt. Jedenfalls verdeutlichen diese Gedankenausflüge, dank der Hilfe von Professor Peter Fierz und der Uni Karlsruhe, dass die Kraftwerksparzelle eine architektonisch-kulturelle wie wirtschaftliche Chance für Birsfelden und die nähere Region darstellt. Das Thema ist sensibel, wie Anwohnerreaktionen bisher zeigten. Die Bauherrschaft, die von beiden Halbkantonen beherrschte Kraftwerk Birsfelden AG, könnte mit einem Architekturwettbewerb die Vorbereitungsarbeiten an die Hand nehmen. Aber entsprechende Signale fehlen bisher - man begnügte sich mit einem kubischem Entwurf. In Ergänzung zum Quartierplanverfahren, sollte sich die Kraftwerk AG zu einem Signal durchringen. Ansonsten häufen sich die Missverständnisse: denn das bisher beteiligte Büro Ringger präsentiert seinen Plan des gläsernen „monolithischen Kubus“ als letztes Wort.

 

Zur Vorgeschichte: dem Kraftwerk Birsfelden AG gehören die rund 39'000 Quadratmeter Land zwischen Schleuse und Sternfeldquartier. Sie waren als Landreserve für ein Gaskraftwerk gedacht, was inmitten der Wohnungen heute undenkbar erscheint. So soll das Land der Gemeinde abgetreten werden (weiterhin) als Erholungsfläche (in Verlängerung vom Birskopf), wenn eine punktuelle Raumnutzung (in Form eines Hochhauses) erlaubt wird (statt einer denkbaren Gesamtüberbauung). Als Standort ausgewiesen ist das Areal des jetzigen Direktionsflachbaues (Hofstrasse 60) – hier könnte, ohne die umliegenden Bauten zu beschatten oder sonst zu beeinflussen, das neue Hochhaus entstehen, erschlossen durch die Hofstrasse.

          

Rhein-Kraftwerk als Notreserve bei „Millenium-Blackouts“

 

1.12.99 Falls das Schweizer Stromnetz zu x einem Zeitpunkt ausfallen sollte, kann das Kraftwerk Birsfelden ausgewählte Abnehmer am 50 Kilovolt-Ring notfallmässig versorgen, wie Tests bewiesen. Dies kommt der Roche zugute, die im Gegensatz zu Industrie-Eigenstromerzeugern im Bedarsfall die Birsfelder Stromlieferung eingeplant hat, z.B. im Falle eines „Millenium-Blackouts“.

 Birsfelden/Basel. „Wir sind beruhigt“, sagt Jürg Wernli von der  BEC Energie-Contracting AG, der Rheinfelder Energie- und Energieinfrastruktur-Firma der Industriellen Werke Basel (IWB) sowie der AEW Energie AG (Aarau). Sie versorgt die Hoffmann-LaRoche AG und teilweise Novartis (Stein). Auch Werner Maier atmet auf. „Bei Netzzusammenbrüchen können wir Strom liefern“, sagt der Geschäftsführer der Kraftwerk Birsfelden AG. Das Kraftwerks-Team bewies am 13. November, im Notfall ausgewählte Abnehmer am Basler 50 Kilovolt-Netz im sogenannten „Inselbetrieb“ bedienen zu können – was von der Branche als beachtliche Sonderleistung Beifall findet.

 Man könnte meinen, wo ein Kraftwerk ist, müsste elektrischer Strom sein. Wo aber alles mit allem „vernetzt“ ist, wie im grosstechnischen System „Elektrizitätsversorgungsnetz“, wäre es leichtfertig anzunehmen, so ohne weiteres ein paar Schalter umzulegen und dann die Elektronen strömen zu lassen, warnen Fachleute.

 Untersuchungen des Verbands Schweizerischer Elektrizitätswerke zeigten, dass nach einem „Blackout“ sechs bis acht Stunden benötigt werden bis das Netz wieder „steht“. „Ausfälle“ wie in Neuseeland, Kanada und diesen Sommer in den USA, bewirkten beachtliche Schäden. Was aber kann zum Schutz von „Blackouts“ und „Millenium-Blackouts“ vorgenommen werden? Z.B. um die Ergebnisse laufender Versuche für neue Medikamente oder Agro-Wirkstoffe nicht zu gefährden?

 „Wir fragten uns, was im Notfall getan werden könnte“, resümiert Jürg Wernli. Beschleunigt wurden diese Überlegungen durch den bevorstehenden „Milleniumswechsel“. Tatsächlich mussten die Versorgungs-Verantwortlichen die Möglichkeit eines Stromausfalls durch einen fehlerhaften Computer-Baustein  als gegeben ansehen – selbst wenn die Eintretenswahrscheinlichkeit als gering beurteilt wird.

 Entsprechend haben sich die Hoffmann-LaRoche AG und die Novartis AG vorbereitet. Die Novartis als Eigenstromerzeugerin, dafür werden Gasturbinen-Kraftwerke genutzt, ist teilweise unabhängig vom Schweizer Netz. „Für unsere überlebenswichtigen Grundbedürfnisse reichen unsere Kapazitäten“, sagt Thomas Staffelbach. Ansonsten drosselt der Konzern am 31.12. um 06.00 seine  Produktion auf „Haltungsbetrieb“ bis zum 3.1.2000, 07.00 Uhr, dem Zeitpunkt, wo die Werke wieder „hochgeschaltet“ sein sollten und allfällige Netzpannen behoben wären.

 Aber bei der Roche sah man sich Anfang Jahr nach Notfallreserven um, da grössere Eigenversorgungsquellen fehlen. Das Kraftwerk Birsfelden liegt in Sichtweite des Hauptsitzes der Roche, was lag da näher, als dort vorstellig zu werden? Man gelangte durch die „Bec“, am 20. Mai an die Kraftwerksdirektion. Werner Maier erinnert sich: „Wir waren zunächst vorsichtig. Erst eine Studie unseres Turbinenlieferanten zeigte, dass wir als inselbetriebs-tauglich gelten. Allerdings brauchen wir ungefähr zwei Stunden vom Zeitpunkt des Netzausfalls bis zur (Not)-Versorgung“.

 „Über die Roche’ Notfallversorgung hinaus, sahen wir den Aspekt, den Betrieb der Trinkwasserpumpen in Basel und im Baselbiet gewährleisten zu können“, sagt Maier. Glücklicherweise liegen die wichtigsten Strom-Einspeisepunkte für die Wasserwerke „Lange Erlen“ und „Hardwasser“ am gleichen 50 Kilovolt-Ringnetz. Die Ernstfall-Tests mit den Fachleuten der Elektra Birseck-Münchenstein (EBM), der IWB und der „Bec“ zeigten dann die Zuverlässigkeit der getroffenen Aussage. 

 Doch, dies unterscheidet das Flusskraftwerk von den Plänen anderer Stationen: zwischen elektro-technischer Theorie und Praxis bestehen Differenzen: „Der vierte September 1999 war der Schwarze Tag“. Man sieht Werner Maier den Schrecken diesen Samstags noch an. Er erzählt: „In einem Vortest wollten wir wissen, ob wir beim ‚Blackout‘ mit dem Notstromgenerator hochfahren können“. Abgeschaltet wurde frühmorgens. Planmässig sprang die Notstromgruppe an. Dann folgte momentane Überlastung. Indirekte Folge: „Notschluss“. Binnen kurzem stauten sich die Wassermassen bis Augst, da die elektronische Steuerung sicherheitshalber die Turbinen stoppte. Stunden später, man hatte das erste Problem reguliert, folgte der Inseltest. Hinzugeschaltet wurden ungeplant zwei Transformatoren mehr als vorgesehen. Folge: alle Schutzschalter sprangen wieder an, das Kraftwerk stieg ein weiteres Mal teilweise aus...

 „Was hatten wir falschgemacht? Wir analysierten die Abläufe und definierten einen ‚sanften‘ Netzaufbau“, sagt Maier, Effekt: beim Test am 13. November spielte die Technik planmässig mit – zunächst mit einer Turbine. „Das hat das Team von Maier toll gemacht“, ist IWB-Geschäftsleitungsvorsitzender Eduard Schumacher des Lobes voll. Fazit: das Kraftwerk Birsfelden ist im Notfall einsatzfähig, Roche und andere erhalten den gewünschten Beistand des Rheinkraftwerks und - „im Falle eines Falles eines Falles eines Falles“ (Roche-Sprecher Roland Haefeli) der „Milleniumsnacht“.

 

Öko-Argumente torpedieren Birsfelder Öko-Kraftwerk-Projekt

 

28.8.98 Basel/Birsfelden. Erwartungsgemäss ist das 70 Millionen-Sanierungsprojekt des Kraftwerks Birsfelden in umweltpolitische Strudel gedriftet. Umstritten ist eine geplante Rheinaustiefung. Unterhalb des Maschinenhauses könnte der Fluss um ca. 30 Zentimeter ausgebaggert werden, und zwar abflachend bis im Bereich der Wettsteinbrücke auf das bestehende Sohlenniveau. Die Strecke misst etwa 2000 Meter und betrifft die Flussmitte, da die ökologisch sensiblen Uferstreifen (ca. 20 Meter) als tabu gelten. Durch diese 30 Millionen Franken teure Ausbaggerung (incl. ökologische Ersatzmassnahmen), die das Gefälle erhöht und damit die Turbinenleistung, erfährt das in den letzten Jahren für ca. rund 40 Millionen Franken sanierte Rheinkraftwerk eine Leistungssteigerung von alleine 4,2 Prozent, was dem Jahresverbrauch einer Gemeinde wie Aesch entspricht.

 

Gegen die Rheinaustiefung haben in den vergangenen Wochen Naturschutzorganisationen und der Fischerei nahestehende Baselbieter und Basler Kreise eine Drohkulisse aufgebaut. Mit gerichtlichen Einsprachen könnten sie das Vorhaben auf Jahre hinaus gerichtlich prüfen lassen, nachdem der Bund mit seiner kürzlichen Bewilligung den Rechtsweg freimachte. Der Bewilligung durch die Bundesbehörden, seinen Umweltfachstellen, den Fachstellen der betroffenen Kantone sowie des angrenzenden Bundeslandes Baden-Württemberg, sind dabei bereits mehrjährige Gespräche vorausgegangen, denen scheinbar eine abschliessende Einigung versagt geblieben ist.

 

Mit Signalen der Gesprächsbereitschaft, aber auch eindeutig die Austiefung fordernd, wandten sich gestern die Verwaltungsratspräsidentin, Regierungsrätin Barbara Schneider, Vize-Verwaltungsratspräsident, Regierungsrat Hans Fünfschilling sowie Kraftwerks-Geschäftsführer Werner Maier an die Öffentlichkeit. Barbara Schneider räumte freimütig ein, sich von Anfang an über das „heikle Projekt“ bewusst gewesen zu sein. Nach sämtlichen Prüfungen aber sei sie zum Entschluss gelangt, dass Kraftwerksausbau und Rheinaustiefung umwelt- und energiepolitisch vertretbar sind.

 

So pochten Hans Fünfschilling, Barbara Schneider und Werner Maier auf eine erwiesene  Umweltverträglichkeit des Projekts. Umweltverträglichkeitsprüfungen gehen sogar von einer „leichten“ Verbesserung des ökologischen Zustandes des Rheins nach der Austiefung aus. Sie widersprachen der häufig gehörten Auffassung, der Rhein würde nach den Baumassnahme spürbar flacher dahindümpeln. Auf Höhe Rheinbad Breite beispielsweise sei die zu erwartende mittlere Absenkung mit rund zwei Zentimetern kaum mehr wahrnehmbar. Nur eben hinter den Kraftwerksturbinen sei eine mittlere Rheinabsenkung von ca. 32 Zentimetern zu erwarten, wie eigens durchgeführte Versuche der Versuchsanstalt für Wasserbau in Darmstadt ergeben hätten. Demgegenüber gibt die Kraftwerksleitung zu bedenken, dass die natürliche Zu- und Abnahme des Wasserspiegels jeweils ein Mehrfaches betrage, bis zu 3,7 Metern. In diesem Sinne könne die Rheinaustiefung auch als Schutzmassnahme gegen kommende Hochwasser begriffen werden, gaben sich die Kraftwerker selbstbewusst.

 

 

Fokus Rheinkraftwerk Augst

Problem Augst: «Goodwill» von heute - «Win-Win» von morgen

Das sanierte Kraftwerk Augst produziert viel zu teuren Strom. Ob es überhaupt jemals wieder wirtschaftlich arbeiten wird, steht in den Sternen. Man sah dies in den neunziger Jahren kommen: In aller Stille handelte der Kanton schon vor Jahren als KW-Teileigentümer mit den beiden Baselbieter Elektras einen Stromabnahmevertrag für 80 Jahre aus, der die Elektras zu erheblichen Vorleistungen verpflichtet und sie dafür später hälftig an den Gewinnen beteiligt - wenn es denn jemals Gewinne gibt.

 Augst. Die Bezeichnung «in aller Stille» ist nicht übertrieben. Über den konkreten Inhalt des in den neunziger Jahren mit Härte ausgehandelten Vertrags zwischen dem Kanton und den beiden Elektras wusste ausser ihren Unterzeichnern buchstäblich fast niemand Bescheid. Hingegen wusste man sehr wohl, dass der Stromgestehungspreis in Augst im Vergleich zum massiv sinkenden Preisniveau viel zu hoch liegt; Stromüberfluss und Marktöffnung lassen grüssen. Mit gutem Grund vermutete deshalb SP-Energiepolitiker Eric Nussbaumer im Landrat, dass offenbar der Kanton als Teileigentümer des Kraftwerks Augst die Differenz bis zum «Marktpreisniveau» übernimmt - eine Vermutung, die er aufgrund unklarer Angaben aus der Verwaltung äusserte. Dann endlich klärte sich die Sache: Diese Differenz berappen bis auf weiteres eben gerade nicht der Kanton, sondern die Elektra Baselland Liestal (EBL) und die Elektra Birseck Münchenstein (EBM). Doch das ist eine lange Geschichte. Sie wird hier zum ersten Mal erzählt.

Grob überschlagen, hat das Flusskraftwerk an der Ergolzmündung bei Augst in seinen 88 Betriebsjahren über eine Terawattstunde (eine Billion Kilowattstunden) Elektrizität erzeugt. Alleine aus der Fliesskraft, die der auf einer Länge von 7,5 Kilometern bis Rheinfelden aufgestaute Rhein auf den Kraftwerksturbinen verursacht. Zum Vergleich: Das ist ungefähr doppelt so viel Strom wie die Elektra Baselland Liestal dem oberen Baselbiet pro Jahr liefert. Oder (heute) etwas weniger als die Hälfte dessen, was die Oberbaselbieter jährlich verbrauchen.

Für 13 Rappen ans Netz

Zudem kann Hydroelektrizität unter Umständen für erkleckliche Gewinne sorgen: Bis 1988 war der Produktionspreis aus Wasserkraft im Vergleich zum allgemeinen Schweizer Strom spottbillig: um die 2,5 Rappen pro Kilowattstunde in Augst - bei Tarifen zwischen 8 bis 18 Rappen und mehr! Aber nach dem Eigentümerwechsel von 1988 und dem Ausbau von 1991 bis 1995 sah es völlig anders aus: Der Augster Strom ging für fast fünfmal mehr, um die 13 Rappen, ans Netz - und wurde fortan als so genannte «Nicht amortisierbare Investition» (NAI) der Elektrizitätswirtschaft gehandelt.
«Wir mussten damals unbedingt vermeiden, dass der Kanton einen Millionenschaden erleidet», erinnert sich alt Regierungsrat Eduard Belser an die Zeit, als sich Mitte der 90er Jahre Probleme rund um die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks abzeichneten und der Kanton überlegen musste, was er mit der jährlichen hydroelektrischen Ernte von rund 50 Gigawattstunden anfangen wollte.
Was war geschehen? Aus vier Gründen befand sich 1988 das Kraftwerk Augst vor einer Herausforderung: es war sanierungsbedürftig, ein Eigentümerwechsel stand an, und Abänderungen der Spielregeln auf dem Elektrizitätsmarkt waren - für die, die nicht wegsahen - erkennbar. Und auch die schweizerische Elektrizitätspolitik wollte einheimische Wasserkraft so intensiv wie nur möglich nutzen. So summierten sich 1995 die Aufwendungen für Sanierung und den so genannten zwischenzeitlichen Heimfall (von Basel an Aargau und Basel-Landschaft) des Kraftwerks Augst auf über 220 Millionen Franken, die die Firma als hoch verschuldet erscheinen lassen.

Alarmstimmung

Bei den Eigentümern des Kraftwerks Augst (heute: AEW Energie AG 80 Prozent und Kanton Baselland 20 Prozent) herrschte Alarmstimmung. Insbesondere bei den Baselbietern herrschte Unruhe, die jährliche Millionenverluste ins Auge zu fassen hatten; Verluste, die nicht, wie beim Elektrizitätswerk, auf so genannte «gefangene» Stromkunden abwälzbar waren. Damals sahen sich Regierungsrat Eduard Belser und Heinz Peter, der Chef des Amtes für Energie und Umwelt (AUE) Basel-Landschaft in der Zwickmühle.
Nachdem man sich anfänglich schöne Gewinne von Augst erhofft hatte, haben sich innert zehn Jahren die Verhältnisse auf dem Elektrizitätsmarkt völlig verkehrt: aus dem einst so stolz als «weisse Kohle» gerühmten Edelprodukt Strom wurde auch in der Schweiz ein Überschussprodukt, das gegenwärtig für ein paar Rappen verschleudert wird. Ein echtes Problem nicht nur für die Stromer, die mit ihren Kraftwerken gezwungenermassen sehr langfristig denken und kalkulieren müssen.

Millionenverlust

Wozu Strom aus Augst für 13 Rappen kaufen, wenn er bei Terawatt-Multis für zwei bis drei Rappen erhältlich ist? Jährlich hatte der Kanton Baselland einen Verlust von bis zu 3,5 Millionen Franken zu gewärtigen - eine durchaus reale Möglichkeit. Beim Strom-Grosskunden SBB etwa ist dieser «worst case» tatsächlich eingetreten: Mit ihren eigenen Kraftwerken, seinerzeit ebenfalls ein Grund zum Stolz, und anderen Bezugsrechten erleiden die Bundesbahnen jährlich, wird vermutet, einen zweistelligen Millionenverlust aus genau dem gleichen Grund, wie er den Baselbietern drohte.
Eduard Belser und Heinz Peter waren auf das Entgegenkommen der Baselbieter Elektrizitätswerke angewiesen, die als Einzige als Aufkäufer ihres Stromes in Frage kamen. Während Belser und Peter auf die energiepolitische Karte setzten, bewiesen die Elektras Verhandlungsgeschick. Zwingen hätte man sie nicht können, den Baselbieter Stromanteil aus dem Kraftwerk Augst abzunehmen - zu bezweifeln ist allerdings, ob sie eine öffentliche Kontroverse zum Thema schadlos überlebt hätten...

Tauziehen hinter den Kulissen

Dementsprechend hob hinter den Kulissen ein zähes Tauziehen an, hier moralisch-politischer Druck, dort elektrizitätswirtschaftliche Gesichtspunkte: «Wir haben hart verhandelt mit dem Kanton, bis wir uns auf eine Lösung einigten», erinnert sich Hans Büttiker, Direktor der Elektra Birseck Münchenstein (EBM). «Wir haben sozusagen eine «Win-Win-Situation herbeiführen können, die uns potenziell sogar schaden könnte», sagt Büttiker. Dann nämlich (was als unwahrscheinlich taxiert wird), falls das Kraftwerk nie mehr rentiert, wie zu jenen üppigen Zeiten in den 80ern. Die Elektras rechnen damit, dass sich die Rahmenbedingungen langfristig wieder so verändern werden, dass der Marktwerk der sauberen Wasserkraft erneut steigt.
Aber wie lässt sich heute unverkäuflicher Strom unters Volk bringen? Da scheint ein echter elektrizitätswirtschaftlicher Gewaltstreich gelungen, der seinesgleichen sucht: Belser und Peter vom Kanton, Büttiker, Adrian Ballmer (EBM) und Klaus-Peter Schäffer (EBL) verteilten unter sich allfällige Zukunftsgewinne, die bei 80-jähriger Laufzeit des Kraftwerks nach heutiger Sicht als möglich erscheinen - dafür berappen die Stromer 13, respektive, seit Oktober, 12 Rappen, also die realen Gestehungskosten über die Gesamtvertragslaufzeit aus so genanntem «Goodwill». Kommt der Zeitpunkt, wo der Baselbieter Kraftwerksproduktionsanteil mit Gewinn verkauft werden kann, vielleicht in zehn bis zwanzig Jahren, wird zunächst der in den Jahren zuvor geleistete «Goodwill» von den Elektras einbehalten. Vielleicht in vierzig bis fünfzig Jahren wird der allfällige Bruttogewinn aus dem Stromverkauf zwischen Kanton und Elektras halbiert. So profitieren in zwei oder drei Generationen die Baselbieter Steuerzahler vom Kraftwerksanteil.

Unterschiedliche Wertungen

Was die für dereinst ausgehandelte Gewinnverteilung betrifft, an der sich die Geister heute scheiden, hat Eduard Belser ein ruhiges Gewissen. Die Allgemeinheit profitiere in jedem Fall durch die getroffene Lösung. Dies kann anders gesehen werden: «Wie kommt der Regierungsrat dazu, im Alleingang über Millionenbeträge im Zeitraum von 80 Jahren einfach so zu verfügen», frägt SP-Landrat Eric Nussbaumer retrospektiv, der mit einer Interpellation für eine nachträgliche Überprüfung und Bekanntmachung der damaligen Vorgänge sorgte (Vorgeschichte weiter). So zeigte sich die Bau- und Umweltschutzdirektion dermassen über Nussbaumers Interpellation verunsichert, dass sie sich die getroffenen Sachverhalte durch einen Brief der Elektras neu rückversichern liess.
Weiter macht Nussbaumer geltend, dass der Regierungsrat im Alleingang grundsätzliche Entscheidungen traf: ordnungspolitische (die Rahmenbedingungen des Vertrags) zum einen, aber auch elektrizitätswirtschaftliche Fragen (die preisliche Ausgestaltung), immerhin im Umfang von einigen Dutzend Millionen Franken. Nussbaumer: «Hier tut eine grundsätzlich politische Standortbestimmung des Regierungsrats zur Klärung des Sachverhalts Not - für die Gegenwart und künftiges Handeln.»

Wie der Kanton Aargau zweimal zur Kasse kam

 Basel verlor sein profitables Kraftwerk Augst, weil der Aargau es ihm missgönnte. Die Baselbieter Elektras riskieren viel Geld, und die AEW Energie AG muss zusehen, wie sie die Augster Elektrizität mit möglichst geringem Verlust weiterverkauft. Allein Baselland profitiert.

 Aarau/Basel. Der Kanton Aargau geht als Hauptbetroffener aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Kraftwerks Augst hervor - dabei hatte er eigentlich dem Kanton Basel-Stadt einen fetten Braten wegschnappen wollen. Um aber die Umwandlung des Aargauischen Elektrizitätswerks in eine Aktiengesellschaft möglichst gewinnträchtig zu gestalten, entschied sich der Aargauer Regierungsrat letztes Jahr für einen rigorosen Schnitt: Die neue AEW Energie AG übernahm den 40%-Anteil des Kantons an Augst, und zwar für geldwerte Kraftwerksanteile (z.B. an Klingnau) und Bezugsrechte im Wert von insgesamt 40 Millionen Franken und weiteren zehn Millionen Franken in «cash», die als Darlehen an die AEW abgestottert werden - Summen, die bis heute offiziell weder bestätigt noch dementiert wurden. Andere, diskrete Verkaufsverhandlungen des Regierungsrates scheiterten mangels Interesse.

Pikant ist der Umstand, dass der Aargau mit seinen Transaktionen nun zum zweiten Mal in klingender Münze für seine energiepolitische Haltung bezahlen muss, die in der Auseinandersetzung um das Atomkraftwerk Kaiseraugst begründet liegt.
1908 erlaubte der Aargau dem Basler Elektrizitätswerk die Nutzung des Rheins bei Augst für ein Kraftwerk bis ins Jahr 1988. Aus Ärger über die Basler, besonders über die als solche empfundene Einmischung beim Atomkraftwerk-Streit, schalteten die Aargauer Oberen Anfangs 80er auf stur und beschlossen Augst «heimfallen» zu lassen. Von vornherein wurden andere Varianten abgelehnt, etwa das Kraftwerk Augst unter neuen, wirtschaftlich interessanteren Auflagen zusammen mit Basel zu betreiben. Der Aargau wollte seine Wassernutzungsrechte zurück, um den Baslern das profitable Werk zu entreissen. Die meisten sagten, dies geschehe aus ökonomischen Gründen, manche nannten es schlicht und ergreifend: Rache.

Nach Kräften ausgequetscht

Mit dem so genannten «Heimfallrecht» behält sich die öffentliche Hand vor, meist über 80 Jahre laufende Wassernutzungsverträge zeitweilig überprüfen zu können (früher galten oft «ewige» Rechte). Wenn die Wassernutzungsrechte nicht verlängert werden, so will es die Usanz, geht der «nasse» Teil des Bauwerks (Wehr, teilweise Kraftwerkshaus, Turbinen) gratis an den Verleiher der Wassernutzungsrechte zurück - der «trockene» Teil (z.B. Generatoren) muss zum Zeitwert bezahlt werden. Nachdem der Aargau die Beziehungen gekündigt hatte, quetschten die Basler das Kraftwerk daher jahrelang nach Kräften aus und unterliessen alles, was nicht unbedingt nötig war. So feierte der Aargau den Heimfall 1988 mit einem ziemlich sanierungsbedürftigen Kraftwerkskörper - zu allem Überfluss kassierte Basel sieben Millionen Franken für «trockene» Teile.
Da das Kraftwerk Augst zu 15 Prozent auf Baselbieter Boden liegt, gründete man mit dem damals staatlichen Aargauischen Elektrizitätswerk und dem Kanton Basel-Landschaft die neue Kraftwerk Augst Aktiengesellschaft. Dieses eine Mal profitierte der Aargau von Augst, indem er sich von der neu gegründeten Kraftwerks-AG das klapprige «Heimfallsubstrat» für 40 Millionen Franken kurzerhand entschädigen liess - dann kam die Deregulierungs-Diskussion und die Stromschwemme, und alles war ganz anders. Derweil lachten sich eingeweihte Kreise bei den Industriellen Werken Basel ins Fäustchen; sie hatten das Desaster zwar nicht kommen sehen, hätten aber gerne das Kraftwerk behalten.
Wo zwei sich streiten, freut sich der Dritte - nachdem man dem Schlimmsten ins Auge hatte sehen müssen, umso mehr: Wie auch immer, das Baselbiet profitiert seit Ende 1996 in jedem Fall vom Kraftwerk Augst, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, falls dieses zum Zeitpunkt «x» mit Gewinn Elektrizität erzeugt. Zum einen verkauft der Kanton seinen Stromanteil zu Gestehungspreisen, also verlustfrei - zum andern kassierte er bis letztes Jahr ungerührt von der finanziellen Werksverfassung eine 6,7-prozentige Dividende.

Symbolischer Wert

Für Baselland gab dies zwischen 94 und 98 immerhin 1,42 Millionen Franken, zusätzlich Wasserzinsen und einen Steueranteil. Alles zusammengenommen, hat der Kanton bis heute möglicherweise seinen Aktienkapitalanteil von fünf Millionen bereits durch den Kraftwerksbetrieb zurückerhalten - in den Baselbieter Büchern wird es ohnehin nur noch mit einem symbolischen Wert von einem Franken geführt. Darüber hinaus existiert nicht einmal die Möglichkeit für die AEW Energie AG, den Juniorpartner zu vorzeitigen Sonderabschreibungen verdonnern zu können. Heinz Peter und Eduard Belser sorgten für eine entsprechende Minderheits-Schutzklausel bei der Aushandlung des Aktionärsvertrags: bei wichtigen Fragen ist Einstimmigkeit verlangt.

 

 

Augster Kraftwerksbesitz als Millionenrisiko der Staatskasse

 

11.11.99 Die Elektrizitätsmarktöffnung verwandelt einen scheinbar sicheren Marktpreisgarantie-Vertrag des Kantons zum Risiko für den Staatshaushalt: falls die Stromabnehmer vorzeitig aus dem Vertrag mit dem Kanton (als Mitbesitzerin der Kraftwerk Augst AG) aussteigen, könnten Millionenbeträge zur Debatte stehen.

 

Liestal. Als Mitbesitzerin der Kraftwerk Augst AG gibt es für den Kanton die Option auf einen Millionenverlust. Denn die gesetzliche Öffnung des Elektrizitätsmarkts erlaubt sogenannte „Vorlieferantenverträge“, wie einen bestehenden zwischen Kanton und Elektra Baselland und Birseck-Münchenstein, bedarfsweise vorzeitig zu kündigen, um sie den neuen, durch billigere Strompreise charkterisierten, neuen Markt-Verhältnissen anzupassen. Darüber wird auch der gegenwärtige, zwanzig Prozent Anteil am Kraftwerks-Aktienkapital des Kantons selbst als buchhalterisches, sieben bis achtstelliges Aktienrisiko bewertet.

 Entscheidend für die Höhe eines etwaigen Verlusts für die Staatskasse wird die Behandlung eines ursprünglich über 70 Jahre Laufzeit gedachten, sozusagen „virtuellen“ Ausgleichskontos sein. Sein gegenwärtiger Wert, zugunsten der Elektras, beläuft sich auf rund zwölf Millionen Franken und dürfte sich, vorderhand, um jährlich ca. 3,5 Millionen erhöhen.

 Wie der Regierungsrat dieses Millionenrisiko einstuft, bleibt offen bis zur Beantwortung eines frisch eingereichten Budgetantrags von Landrat Eric Nussbaumer (SP). Er verlangt, dass der „zu erwartende Verpflichtungsanstieg“ in der Staatsrechnung aufgeführt wird, was bisher nicht der Fall ist. Wieso und weshalb, dem wolle man, bis zur möglicherweise schriftlichen Antwort auf Nussbaumers Fragen, „nicht in der BaZ vorgreifen“, heisst es auf der Finanzdirektion.

 In der beim Vertrag damals federführenden Bau- und Umweltdirektion geht man derzeit von einem „Missverständnis“ der vorliegenden Informationen aus, die „mühelos“ behoben werden können, sagt man an anderer Stelle. Über Nussbaumers Antrag und Auskünftswünsche hinaus harrt die Frage einer Antwort, welchen Stellenwert die ausgehandelten Vertragsguthaben bei abgekürzter Auflösung des Kontrakts geniessen.

 „Wir werden den Vertrag auf vorzeitige Kündigung hin überprüfen“, sagt EBL-Direktor Klaus-Peter Schäffer. Denn derzeit bezahlen die Elektras dem Regierungsrat für seine Augster Stromproduktion 13 Rappen beziehungsweise, seit dem 1. Oktober, 12 Rappen/Kilowattstunde. Dies wird als viel zu viel beurteilt in einer Stimmung, wo sich viele Elektrizitätswerke Gedanken über ihr Überleben auf dem freien Strommarkt machen. Da wird um Bruchteile von Rappen gefeilscht, bei Preisen, die halb so hoch sind wie die von Augst.

 Was der Elektrizitätsmarkt konkret bedeutet, musste bereits der Kanton Aargau registrieren: im Rahmen einer Anteileentflechtung verkaufte er nicht, - er entschädigte seinen 40 Prozent-Anteil am Kraftwerk Augst der neuen Eigentümerin – AEW Energie AG – mit mutmasslich, (offiziell unbestätigten) 40 bis 50 Millionen Franken. Dies geschieht teils durch eine Darlehenslösung, teils durch die Einbringung des gewinnträchtigen Aarekraftwerks Klingnau sowie anderer Bezugsrechte. Zuvor waren die Kraftwerksanteile vom Aargau ergebnislos anderen Dritten als den AEW angeboten worden.

 Neu teilen sich deshalb die AEW Energie zu 80 und der Kanton Basel-Landschaft, als Juniorpartner, 20 Prozent am Aktienkapital. „Wir werden weiterhin einvernehmlich mit Baselland geschäften“, antwortet Emil Pfändler auf die Frage, ob er das Werk bis zum Offenmarkt verschärft abschreiben will (und damit das Baselbiet ausserordentlich zur Kasse zwänge). Pfändler ist der vom Mehrheitseigner AEW beauftragte Finanz-Manager des Kraftwerks.

 Man gibt sich jedenfalls gefasst: Schon 1996 war z.B. für die EBM abzusehen, dass das im 80er Boom vom Bundesamt für Energie und vom Land Baden-Württemberg mitkonzipierte Kraftwerk Augst, im offenen Wettbewerb als „nicht amortisierbare Investition“ einzuschätzen sei, da die Schulden für die Kraftwerksanierung von 220 Millionen kaum wettzumachen seien. Möglicherweise doch: vielleicht werden sie durch die Energieförderabgaben, die auch notleidenden Gross-Wasserkraftwerken helfen soll, abgefedert – wenn das vom Nationalrat verabschiedete Paket die Volksabstimmung gewinnt....

 Wenn 1996 die Risiken der Marktöffnung abzusehen waren, frägt sich allerdings, weshalb der Kanton sich beim Kraftwerk Augst auf eine über 70 Jahre laufende Preisgarantie gegenüber Dritten eingelassen hat, sagt Eric Nussbaumer. Als Stromproduzent hätte der Kanton die Elektra Baselland als Gebietsmonopolistin zur Abnahme seines Stromanteils zwingen können – aber nicht in der heute verhandelten Höhe des Rückliefertarifs. So, aber, wird der Eindruck erweckt, dass der Kanton sich schadlos zu halten suchte.

 Denn, irgendwann, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, winken auch beim Kraftwerk Augst Gewinne: So sieht der Baselbieter Liefervertrag vor, bei Erreichen eines Produktionspreises unterhalb der dannzumal gehandelten Strompreise, den zu erwartenden Gewinn pro Kilowattstunde zu hälfteln und, je, der Staatskasse und den Elektras zuzuführen (sozusagen als „Durchhalteprämie“ und sozusagen als „Dankeschön“ für die ausgehandelte, jahrzehntelange Versorgung des Kraftwerks Augst mit „Cash“ im Rahmen des Kantonsanteils).

 Als Geschäftsführer der Öko-Stromerzeugerin „Arbeitsgemeinschaft für dezentrale Energieversorgung“ (Adev), damit Wettbewerber auf dem Strommarkt, stört Landrat Eric Nussbaumer insbesondere die vom Kanton gegenüber den Elektras gewährte, langfristige Preisgarantie. Er will deshalb vom Regierungsrat in einer Interpellation wissen (die er parallel zu seinem Budgetantrag einreichte), weshalb nicht anderen Erzeugern oder Abnehmern von „grüner Elektrizität“ staatlicherseits Preisgarantien auf heutigen Niveau zuteil würden?

 Augst ist so gesehen ein weiterer Fall in einer umfangreicheren Ereigniskette: In der Tat erweckt der Kanton als Wettbewerber auf dem Elektrizitäts- und Wärmemarkt nicht gerade den Eindruck eines zur Gänze transparenten Partners, wie zuletzt bei der Landratsdebatte über die Wärmepumpenanlage St. Jakob ersichtlich wurde. Während Antragssteller für Förderungsgesuche im Geiste des novellierten Energiegesetzes praktisch jede Mini-Investition in Kalorien Energie, sei es Wärme oder Elektrisch, mehrfach auf ihre Sinnhaftigkeit hin überprüfen lassen müssen, erscheint, neben dem Engagement am Kraftwerk Augst, auch dasjenige vom Fernheizkraftwerk Liestal mit Fragezeichen behaftet. Nur allzuoft wurde der Wunsch nach Auskunft nach den engeren Finanzverhältnissen beider Investments von den Verantwortlichen bisher damit abgebügelt, dass man der „gute Sache“ nicht schaden solle durch langatmige Rechenexempel.

Wie es zum Augster-Schlamassel kam weiter