Energieszene Erneuerbare (26.09.2005 ) Pressebüro 2005 © Marc Gusewski, Liestal

Spannungsgeladen: EBL bringt EBM in Verlegenheit

Liestal, 1. September. Der Verwaltungsrat der Elektra Baselland (EBL) hat einem privat betriebenen Baselbieter Energieförderfonds eine Absage erteilt, teilten die Liestaler am Donnerstag mit, um sich „nicht zu verzetteln.“ Die EBL sei bereits mit „grossem Engagement“ bei Projekten zur nachhaltigen Energienutzung beteiligt. Offen ist jetzt, wie es mit dem Vorhaben des Energieförderfonds weitergehen soll.
An sich war die Idee eines privaten Fonds zur Förderung der erneuerbaren Energien praktisch in Vergessenheit geraten: Die Idee hatte EBM-Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub Mitte letzten Jahres aufgebracht als Gegenmodell zu einer staatlichen Ökoenergie-Lenkungsabgabe. Demgemäss hätten die im Kanton tätigen Elektrizitätsverteilerinnen jährlich rund eine Million Franken zur Förderung von umweltfreundlichen Energietechniken bereitgestellt. Die EBM hätte den Fonds mit etwa drei Fünftel gespiesen, die EBL mit dem Rest und ein kleinerer, prozentualer Beitrag wäre von der Laufentaler Versorgerin BKW Energie AG hinzugekommen. Die Funktionsweise und Geldverteilung des Fonds muss man sich etwa so vorstellen wie es bei der Klimarappen-Stiftung der Erdölwirtschaft geplant ist.
Zunächst fand der Vorschlag nur wenig Aufmerksamkeit. Nachdem der Landrat Ende Januar die kontroverse Strom-Lenkungsabgabe per Zufallsmehr abgelehnt hatte, erinnerte Nationalrat und Wirtschaftskammer-Boss Hans-Rudolf Gysin an das freiwillige Angebot der Stromer, die ihre Gespräche fortsetzten. Ende August wurden in Zusammenarbeit mit der Baselbieter Regierungsrätin Elsbeth Schneider die Grundzüge für das weitere Vorgehen abschliessend festgelegt.
Wie es nun nach dem EBL-Nein weitergehen soll, muss der EBM-Verwaltungsrat entscheiden, erläutert EBM-Energie-Chef Thomas Wälchli auf Anfrage. Es bleiben jetzt so heikle Fragen zu lösen, etwa, ob die EBM den Fonds praktisch alleine, mit dem kleinen Zuschuss der BKW, mit weniger als einer Million Franken betreiben soll? Sollen die Oberbaselbieter, die von der EBL mit Strom versorgt werden, vom EBM-Fonds ausgeschlossen werden? Generell unklar ist auch, wo der Unterschied zwischen der heutigen kantonalen Förderpraxis und dem Topf der Industrie liegen soll. Wälchli: „08/15-Anlagen werden wir nicht fördern. Vorstellbar findet er etwa Energiesparinvestitionen, die hart an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit liegen. Tatsächlich läuft das auf eine mit dem Kanton vergleichbare Förderpraxis hinaus. Indem der EBL-Verwaltungsrat den Förderfonds am Donnerstag praktisch aus der Versenkung holte, wenn auch negativ, sehen sich jetzt die EBM-Oberen im ungünstigsten Fall in die Verlegenheit gesetzt, den Rückzug ihrer Idee begründen zu müssen. Die Beziehungen zwischen den Unter- und den Oberbaselbietern sind bereits seit längerem etwas distanziert – heute noch etwas mehr.
 

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