Das Mephisto Prinzip 

Persönliches Profitstreben schafft allgemeinen Wohlstand – das Kapital, dein Freund und Helfer. Das System hat den Wohlstand gemehrt, wo es walten durfte, die Lebensqualität gesteigert, und friedliche Zeiten ermöglicht. 

Zu diesem Fazit gelangt heute auch das Autorenteam Dirk Maxeiner und Michael Miersch im Buch „Das Mephisto Prinzip.“ Belegt werden soll, „warum es besser ist, nicht gut zu sein.“ Blöde sind nur die deutschen Lehrer, die den Kapitalismus kaputtreden und ihren Zöglingen beibringen, einer sozialistischen Wartegemeinschaft beizutreten statt mal irgendwo das eigene Glück anzupacken. 

Am Beispiel der amüsanten Gegensatzpaare von Margaret Thatcher und Prinzession Diana, Daniel Goeudevert und Ferdinand Piëch sowie den Grünen und der Opec wird gezeigt, was der Unterschied von harten Machern ist und soften, aber überreichlich popularisierten Vorbildern, die nichts bewirkt hätten.

Gerechtigkeit durch Globalisierung, bunter Kulturimperialismus (Coca-Cola-Index), gegnerische Positionen zum Wohlfahrtsstaat, ein Lob der harten Technik, ein Lob dem, der die Natur wirtschaftlich nutzt (schützt sie am besten): Tragt Pelzmäntel, kauft Tropenholz! Fazit: Liebe deinen Egoismus wie dich selbst, ein Lob des Leichtsinns, die Gunst zu lügen (ein Plädoyer für Placebotherapien) und ein Rat zur „unterlassenen Hilfeleistung“ beschliessen das Bändchen, das vor dem Bekanntwerden von „Enron“ etc. sowie dem 11. September verfasst wurde. Am ehesten dokumentiert es die Lernkurve der beiden Autoren, die öffentlich zugeben, z.B. die liberalen Wirtschaftstheorie der Idee nach begriffen zu haben. Das ist ganz witzig geschrieben. Dennoch befremdet dieses Buch. Zunächst ist es der Ton. Dann muss man auch die Positionen der Autoren berücksichtigen - die sind nicht irgendwer, besonders nicht Dirk Maxeiner.  Interessanter wäre etwa gewesen, was die beiden zu ihren heutigen Einsichten bewegte. Kennen wir doch die Positionen des Genossen Maxeiner zum Beispiel aus wilden Frankfurter Tagen („Pflasterstrand“). Heute verficht Maxeiner mit Vehemenz das, was er damals fundamentalistisch bekämpfte. Gleich geblieben sind die Härte und Schärfe mit der das jeweils andere mit Wortschlägen vernichtet werden muss (mit Pflastersteinen). Das gibt dem ganzen einen schalen Geschmack. 

Dennoch, diese Frage stellt sich: Wieso legt man die Bücher z.B. eines liberalen Wirtschaftskritikers wie Paul Krugman, oder auch von Sozialismuskritikern wie Milton Friedman nach der Lektüre aus der Hand mit dem Gefühl, hinzugelernt zu haben. Gleichzeitig schleppt man sich auf Dauer doch durch Maxeiner-Mierschs vorhersehbare Tiraden. Unterm Strich ist es eben noch nie besonders interessant gewesen, Leuten zuzuhören, die rein nur Meinungskeulen schwingen und dies als neusten Ernst verkaufen. Was bleibt ist ihr Populismus. 

Liest man das Buch als Abrechnung der beiden Autoren mit ihrer eigenen Generation, was als Motiv dazu am plausibelsten erscheint, so ist es amüsant zu lesen, auf welch doofe Art diese Jahrgänge gegeneinander argumentieren. Hilflos mit sich selbst verstrickt, wie es die Regierung Schröder in den letzten vier Jahren vorführte. Warum diese Regierung so wenig überzeugend wirkte, bei Maxeiner-Miersch erfährt man dazu Hintergrund - wenn man ihre Argumentationsfiguren, weniger den recht eilig zusammengeschusterten Inhalt, beachtet. Echter Recherche- und Denkarbeit sind sie damit aus dem Weg gegangen, so einfach ist das. Das Mephisto Prinzip ist, dass Mephisto die Gesellschaft weiterbringt als die sattsam bekannte Karrikatur des deutschen Gutmenschen - aber nicht umsonst, wenn man schon im Bild bleiben will, das wird hier vergessen. Interessanterweise meinen es ja auch Maxeiner/Miersch nur gut mit uns - und wehe, wer ihnen widerspricht, und wer mag das, nach ihrer uneingestandenen Vorgeschichte?

29.7.02

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