Energie der Zukunft

Die Ballard Brennstoffzelle

Energie ohne Öl, Atomausstieg, Treibhaus-Effekt – die Suche nach den Alternativen hält an und wird immer intensiver diskutiert. Kann das Unternehmen Ballard dazu beitragen? „Energie der Zukunft" von Tom Koppel ermöglicht es den Lesern, eine realistische Einschätzung zu gewinnen.

19.3.03 Mit „Energie der Zukunft" liegt das einzige deutschsprachige Werk vor, das über die Entstehung und das Funktionieren der Firma Ballard die schon lange benötigte Auskunft erteilt. Ballard gilt am Technologiehimmel als aufgehender Stern, der den Autoverkehr dank Brennstoffzelle umweltfreundlicher machen soll. So beteiligte sich DaimlerChrysler an Ballard und z.B. Alstom. Ballard spielt in der Perzeption über die Möglichkeiten der Brennstoffzellen, die schon seit längerem die energiepolitische Diskussion bestimmen, eine unübersehbare Rolle. Aus welchem Antrieb dies geschieht, was hintergründig damit bezweckt wird und welches „Commitment" gemeint ist, schildert Tom Koppels Buch. Schliesslich auch, dass der Firmengründer Geoffrey Ballard von der jetzigen Führungs-Crew ausgebootet wurde. Es ist darum wichtig und verdienstvoll vom Kleinverlag G. Reichel, das Werk übersetzt und herausgebracht zu haben, auch wenn dem Werk am Schluss etwas mehr editorische und sprachliche Feinarbeit gut getan hätte. Mit einem tiefen Einblick in das Geschehen wird belohnt, wer bis am Ende des Lektüre dabeibleibt, trotz immer wieder aufkommender Langeweile aufgrund des ziemlich spannungslosen Erzählstils des Autoren und Journalisten Tom Koppel.

Koppel schildert Geoffrey Ballards Herkunft und ihn selbst als verbissenen technischen Tüftler und „Überzeugungstäter". Gestresst von den amerikanischen Behörden folgt Ballard nach Kanada und beginnt hier mit seiner Brennstoffzellen-Forschung, zuvor hatte er sich eher dem Batterieproblem gewidmet. Bessere Batterien, so die Auffassung in den 70ern, könnte den Umstieg der Autofahrer auf Elektromobile erleichtern. Ballard kannte die Energiedebatte als Mitarbeiter in einer Planungszelle des Verteidigungsministeriums. Aus Unbehagen über die Bürokratie und Verpolitisierung seiner Arbeit machte er sich selbständig. Seine teure Forschungsarbeit zwang ihn zunehmend, Geldgeber mit ins Boot zu holen. Diese setzten sich allmählich über Ballards Impetus hinweg und begannen das Unternehmen als Industrie-finanziertes Forschungslabor auszurichten, inklusive Kotierung an der Börse. Dass der risikobereite Erfinder-Unternehmer mit den Investoren und Managern damit auf Konfliktkurs geriet, war für Ballard eine bittere Lektion. Koppel beendete sein Buch 1999, also in einer Zeit, als die Technologiewerte an den Börsen noch relativ hoch bewertet werden. Verfolgt man die letzten Jahre erscheint es nach der Buchlektüre fraglich, ob das Unternehmen Ballard bei seiner strategischen Ausrichtung nicht doch besser etwas mehr eine „Erfinderbude" als ein New Economy-Börsenwert geblieben wäre.

Tom Koppel: Energie der Zukunft. G. Reichel Verlag, 2001. ISBN 3-926388-58-7