Dreieckland StromReport  (akt. 08.03.2007 ) Pressebüro © Marc Gusewski  

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Mühlenüberbleibsel: Biotop macht Strom

 

14.1.03 Nur wenn das denkmalgeschützte Kleinkraftwerk der Hägler-Mühle seinen Betrieb wieder aufnehmen kann, wird das Biotop am Gewerbekanal zwischen Lausen und Itingen gerettet. Ökozentrum und EBL sind am Drücker.

 

Lausen. Die Elektra Baselland (EBL) und die Stiftung Revita (vom Ökozentrum Langenbruck) wollen am denkmalgeschützten Mühlenstandort Hägler ein Kleinwasserkraftwerk „sanft“ sanieren. Die Renovation des seit fünf Jahren eingemotteten Werks kostet rund 600'000-800’000 Franken. Zugleich ist es eine ökologisch und technikhistorisch begründete Massnahme, die überdies 62 Kilowatt-Leistung für 50-70 Haushaltungen sichern hilft. Ohne Standortsicherung wäre überdies der endgültige Verlust des artenreichen Bachbiotops entlang des uralten Gewerbekanals zwischen Unterdorf und Itingen zu befürchten.

 

Die Sanierung des Kraftwerkstandorts Hägler bringt die EBL aus einem Förderfonds auf, der durch die Bezüger ihres Wasserkraft-„Rheinstrom“-Angebotes laufend mitfinanziert wird. EBL-Projektleiter Michel Pasquier sieht nur Vorteile: „Alle gewinnen: Für die Rheinstrom-Kunden ist es die erste Möglichkeit, etwas zugunsten der Umwelt mitzufinanzieren.“

 

Auf die sanfte Sanierung von Uralt-Kleinkraftwerken spezialisierte sich die Stiftung Revita am Ökozentrum in Langenbruck. In Zusammenarbeit mit Biologen, Technikern und besonders auch Arbeitslosen, werden Altgeneratoren und deren Begleitanlagen technikhistorisch korrekt wiederhergestellt. Mitarbeiterin Monika Wohlfender sagt: „Wir freuen uns auf dies Vorhaben.“ Die Revita revitalisierte zuletzt eines der beiden ältesten schweizerischen Wasserkraftwerke in Cormoret (BE).

 

Als Mitglied der Eigentümerfamilie des Standorts Lausen äussert sich Marc Lüthi, als Liestals Stadtpräsident reihum bekannt, hoffnungsvoll: „Ohne die Sanierung würden alle verlieren.“ Ausserdem gelte das alte Kraftwerkshäuschen als Teil der alten Mühlenanlage, die grösstenteils einer Wohnüberbauung wich, als denkmalschutzwürdig.

 

Etwas skeptisch, aber dialogbereit zeigt sich Erwin Christen, Anrainer, Eigentümer der alten Papiermühle und Miteigentümer der Kanalanlagen. Erwin Christen unterstreicht, dass der Hochwasserschutz seiner Liegenschaften zu beachten sei. Monika Wohlfender und Michel Pasquier verweisen auf geplante, umfangreiche neue Sicherungsmassnahmen.

 

Der Kraftwerksstandort geht, wie so viele, auf eine mittelalterliche Wasserkraftnutzung zurück, erstmals vor 684 Jahren urkundlich erwähnt. Wasserräder trieben Korn-, Öl- und Gipsmühlen, Papier-, Flachs, Knochenstampfen sowie zahllose Sägewerke an, unzählige, heute verschüttete Kanäle wies der Kanton auf. Erst 1898 wurde das Lausner Mühlen-Wasserrad durch eine eiserne Turbine mit Fallschacht ersetzt. Damit wurde hundert Jahre lang der Mühlenbetrieb aufrechterhalten. 1989 legte Familie Hägler die Turbine ans Stromnetz, die Zeit der Transmissionsbänder war vorüber.

 

Das Antriebsgewässer wird der Ergolz entnommen, an einer natürlichen, Meter-hohen Schwelle, und über einen 1300 Meter langen Gewerbekanal herangeführt. Entlang des Kanals siedelte sich eine artenreiche Flora an. Seit fünf Jahren verlandet der Zufluss übermässig, da seine Pflege eingestellt wurde. Soll dies Biotop erhalten bleiben, ist eine Pflege des Kanals unumgänglich. Nach anfänglicher Skepsis begrüssten Naturschützer und Fischer das Vorhaben. Vor zehn Jahren verhinderten Füllinsdorfer Fischerei-Kreise die Revitalisierung eines Kraftwerk Schönthal an der Ergolz.

Externe: 

EBL  

REVITA